Page 284 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Friedrich Wilhelm IV. gescha+ ene Pi-  strebenden Schiller die Hand auf die
        età für die Friedenskirche in Potsdam.  Schulter. Drei Jahre später wurde in
        Vom Protestantismus geprägt, stellte   Dresden das Denkmal für Carl Maria
        der Künstler nicht mehr nur eine Ver-  von Weber enthüllt. Wegen der Flucht
        herrlichung der Gottesmutter Maria   von Richard Wagner als einem der
        mit dem in ihrem Schoße ruhen-      wichtigsten Fürsprecher hatte es hier
        den Leichnam Christi dar, sondern   Verzögerungen gegeben.
        betonte die Verehrung des heiligen
        Leichnams selbst, indem er ihn auf   Als letztes Hauptwerk entwarf Riet-
        den Boden legte und Maria neben     schel in Worms ein monumentales
        ihm niederknien ließ. Danach schuf   Reformationsdenkmal. Es erinnert
        Rietschel mit der Statue für Gotthold   an das Erscheinen Luthers vor dem
        Ephraim Lessing in Braunschweig     Reichstag in Worms im Jahre 1521,
        ein für seine realistische Darstellung   um vor Kaiser Karl V. seine /  esen zu
        gerühmtes Werk. Dieser Realismus    verteidigen. Um die Gestalt Luthers
        prägte auch das 1857 eingeweihte Mo-  gruppierte Rietschel Laien- und Pries-
        numentalwerk für Johann Wolfgang    tervertreter sowie Stätten der Refor-
        von Goethe und Friedrich Schiller   mation. Mit diesem Ensemble wollte
        in Weimar. Rietschel setzte sich bei   er „eine feste Burg“ des Glaubens
        diesem Au* rag gegen seinen früheren  symbolisieren. Rietschel selbst schuf
        Lehrer Rauch durch, dessen Entwurf,   neben dem Entwurf der Gesamtan-
        die beiden Dichter in einem anti-   lage auch die Luther% gur und die
        ken Kostüm darzustellen, abgelehnt   Statue des John Wiclef, eines Wegbe-
        wurde. Das Doppel-Monument sollte   reiters der Reformation aus dem 14.
        ebenso realistisch werden wie die   Jahrhundert. Die anderen Bildwerke
        Lessing-Statue in Braunschweig und   wurden nach Rietschels Tod von sei-
        so % el die Wahl auf Rietschel. Der   nen Schülern Adolf Donndorf (Savo-
        war sich ob seines Entwurfs selbst   narola, Friedrich der Weise, Reuchlin,
        nicht sicher und schickte Gustav    Petrus Waldaus, Magdeburg), Gustav
        Adolph Kietz mit den Modellen nach   Adolph Kietz (Hus, Philipp der Groß-
        München in die Erzgießerei, weil er   mütige, Melanchthon, Augsburg) und
        die Kritik des bayerischen Königs   Johannes Schilling (Speyer) entwor-
        fürchtete. Am 3. September 1857,    fen. Beteiligt war zudem der Architekt
        dem 100. Geburtstag von Großherzog   Hermann Nicolai, Sempers Nachfol-
        Karl August, wurde sein Goethe-     ger als Professor für Baukunst an der
        Schiller-Denkmal enthüllt. Rietschel   Kunstakademie Dresden. Rietschel
        stellte die beiden Dichter gleichrangig   selbst ist in Worms mit einem Porträt
        nebeneinander, ein in sich ruhender   an der rechten Ecke des Reichstagsre-
        Goethe legt dabei als Zeichen seiner   liefs dargestellt.
        Freundscha*  dem jüngeren, voran-

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