Page 283 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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widerspiegelte sich aber auch hier die   Eduard Bendemann, die ebenfalls
        Au&  ruchstimmung des Vormärz, so   mehreren dieser Vereine angehörten,
        im Kreis um Julius Mosen. Im Säch-  wohnte er in einem Haus. Die Söh-
        sischen Kunstverein mit seinen etwa   ne der drei Künstler lernten an der
        2000 Mitgliedern besaß Rietschel, der   Schule von Karl Justus Blochmann,
        dem Direktorium angehörte, wesent-  einem Bruder von H=K>@K`q AT[TX^
        lichen Ein# uss auf die Förderung der   B_]`q~?>>, die für ihre naturwis-
        bildenden Kunst und der Künstler    senscha* liche Ausbildung bekannt
        in Sachsen. Der Verein organisierte   war. In seinem Haus erlebte Rietschel
        Ausstellungen und kau* e Kunst auf.    hautnah den erbitterten Streit zwi-
        Rietschel gehörte den ebenfalls eher   schen Hübner und Julius Schnorr von
        unpolitischen Albina und Sächsischer   Carolsfeld als Vertreter der Düssel-
        Altertumsverein an, war aber auch   dorfer bzw. Münchner Malschule in
        Mitglied im Literarischen Museum    Dresden – ihm kam wiederholt eine
        und der Montagsgesellscha* . Erst als   Vermittlerrolle zu.
        es hier im Zusammenhang mit der
        Revolution von 1848/49 für ihn zu   Im Unterschied zu Semper sah Riet-
        politisch zuging, blieb er fern. Mit   schel die revolutionäre Entwicklung
        den befreundeten Julius Hübner und   in Deutschland eher skeptisch. Er
                                            gehörte wie Bendemann und Hübner
                                            dem Deutschen Verein an, der sich
                                            am 11. April 1848 gegründet hatte. Sie
                                            strebten grundsätzlich ein „einiges,
                                            freies und starkes Deutschland“ an,
                                            standen aber weiterhin zu einer kon-
                                            stitutionellen Monarchie in Sachsen,
                                            die sie auf eine breite demokratische
                                            Grundlage stellen wollten. Eine wirk-
                                            liche Revolution lehnte man ab. Dem
                                            radikaleren Vaterlandsverein trat
                                            Rietschel nicht bei. Als es am 3. Mai
                                            1849 die ersten Toten gab, verteidigte
                                            er zusammen mit seinem Schüler
                                            Kietz in der Akademischen Legion
                                            der Bürgerwehr das Rathaus der Stadt
                                            gegen „Militär und Proletariat“.

                                            Ein erstes wegen seiner Perfektion
                                            gerühmtes Werk Rietschels war die
                                            1850 bis 1854 im Au* rag von König

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