Page 281 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 281

Prägend für Rietschels Karriere     Rietschel war ein Meister der
        war das ambivalente Verhältnis zu   baubezogenen Plastik. In Bautzen
        dem Architekten Gottfried Semper,   erinnert daran der Rietschelgiebel
        seit 1834 Professorenkollege an der   am Puppentheater des Deutsch-
        Kunstakademie. Mit ihm arbeitete    sorbischen Volkstheaters auf der Or-
        Rietschel nach dem Denkmal für      tenburg. Es handelt sich dabei um
        Friedrich August den Gerechten auch   die Figuren des Orest giebels („Alle-
        beim Ho* heater (1838–1841) und     gorie der Tragödie“, Orestie-Trilogie
        der Gemäldegalerie (1847–1855, nach   von Aischylos) des 1869 abgebrann-
        Sempers Flucht aus Dresden fertigge-  ten Semper‘schen Ho+ heaters in
        stellt) zusammen. Bei beiden Vorha-  Dresden. Das Werk befand sich ab
        ben schuf Rietschel den Bildschmuck   1905 am Bautzener Stadttheater am
        gemeinsam mit Ernst Hähnel. Semper   Lauengraben, fand aber nach dessen
        sah in den zwei Bildhauern die ideale   Abriss 1969 keine Verwendung. Die
        Ergänzung, um seine Anschauung      Figuren kamen nach Quatitz und
        vom Zusammenwirken der Künste       Nadelwitz. Seit der Erö` nung des
        zu realisieren. Beim Ho* heater hatte   Burgtheaters im Jahre 2003 ist das
        er Hähnel ausdrücklich empfohlen.   Werk, durch Glas geschützt, am
        Rietschel schmückte am Ho* heater   heutigen Standort zu sehen. Neben
        zwei Giebel mit einer „Allegorie der   der Ausschmückung von Ho+ heater
        Tragödie“ bzw. der Musik auf dem    und Gemäldegalerie von Gottfried
        Rücken eines Adlers emporgetra-     Semper in Dresden schuf Rietschel
        gen, und schuf die beiden sitzenden   Reliefs und Statuen für das Haupt-
        Figuren Schillers und Goethes (heute   gebäude der Universität Leipzig
        am Eingang der Semperoper). An der   (Augusteum), das Giebelfeld an der
        Ausschmückung der Gemäldegalerie    Berliner Oper, die Quadriga für das
        war auch der Rietschel-Schüler Jo-  Braunschweiger Schloss und Plasti-
        hannes Schilling beteiligt. Hier hatte   ken für das Logenhaus der Dresdner
        Rietschel jedoch zunächst die Calber-  Freimaurer.
        lasche Zuckersiederei von G]^^_]{

                                                                           281
   276   277   278   279   280   281   282   283   284   285   286