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Giese, Ernst Friedrich


        Professor, Architekt
        16.04.1832 Bautzen – 12.10.1903 Berlin-Charlottenburg

        V: Carl Christian (*13.8.1786 Görlitz, †9.12.1861 Dresden), Enkel des Görlitzer Archidiakons
        Gottlieb Christian Giese (1721–1788) und ältester Sohn des Advokaten, Senators, Stadtrichters
        und Bürgermeisters Christian Matthäus Friedrich Giese (1748–1806), Gymnasium Görlitz, 1805
        Jurastudium Leipzig, Landsteuerregistrator und Brandkassenbuchhalter in Bautzen, landständi-
        scher Sekretär der Oberlausitz, 1849 Sekretär der Brandversicherungs-Kommission in Dresden;
        M: Johanne Charlotte geb. Fiebiger (*1792 Bautzen, †2.1.1856 Dresden); G: Charlotte (Juni
        1822–23.10.1826), Ida (*23.4.1823 Bautzen, †7.11.1887 Dresden), Carl Friedrich (*1824 Bautzen,
        †9.1.1847 Bautzen, Jura  studium in Leipzig), Johann Wilhelm (1830–1902, Jurastudium in
        Leipzig, königl.-sächs. Zollrat in Leipzig und Hamburg, zuletzt wohnha*  in Charlottenburg); E:
        13.5.1865 Dresden, Gertrud geb. Barteldes (*27.4.1846 Dresden, †1933, Tochter des Kaufmanns
        Eduard Friedrich Barteldes, 1848 Vermieter von Robert und Clara Schumann, führendes Mit-
        glied in Singakademie, Liedertafel und Wagner-Verein, ältere Halbschwester der Sängerin Elli
        Jürgensen/*30.11.1866 Dresden); K: Ernst Johannes (*12.4.1866 Dresden, †14.1.1929 Dresden,
        Notar und Rechtsanwalt in Dresden, vertrat die erste Ehefrau Emma von Karl May im Schei-
        dungsprozess), Max Eduard (*5.7.1867 Düsseldorf, †9.7.1916 München-Pasing, Kunststudium
        in Düsseldorf und München, Landscha* smaler in Dresden und München, verschwägert mit der
        Malerin Elisabeth Schmook), Gertrud Elisabeth (*28.12.1868 Düsseldorf, verh. Ausfeld, wohn-
        ha*  in Charlottenburg), Karl Friedrich (*14.8.1871 Düsseldorf, †1939, Büro für Architektur und
        Bauausführung Giese & Sohn 1891–1901 in Dresden, auch tätig in Köln und Düsseldorf, Vater
        des Korvettenkapitäns und Autors Fritz E. Giese), Gertrud Dorothea (*10.10.1873 Dresden, verh.
        mit dem Dresdner Museumsdirektor Jean Louis Sponsel), Wilhelm Georg (*2.4.1877 Dresden),
        Katharina Elisabeth (*9.11.1880 Dresden), Martha Johanna (*18.3.1882 Dresden, verh. Kühl),
        Karl Rudolf (*16.11.1883 Dresden), Emmy Elisabeth (*14.8.1887 Dresden, verh. Hüllsburg)

        Nach dem Besuch des Gymnasiums      gleichzeitig entstand der Bedarf, die
        in Bautzen studierte Giese im Un-   bislang eher praktisch-mechanische
        terschied zu seinen beiden älteren   Ausbildung besser theoretisch,
        Brüdern, die entsprechend einer     ingenieurmäßig zu fundieren. Unter
        Familien tradition in Leipzig Jura   dem 1850 berufenen Direktor Julius
        belegten, ab 1846 an der Technischen   Ambrosius Hülße wurde die Lehran-
        Bildungsanstalt in Dresden. Johann   stalt 1851 zur Polytechnischen Schule
        Andreas Schubert gehörte hier zu    erhoben. 1852 wechselte Giese in das
        seinen Lehrern. Gieses Studium % el   Atelier von Hermann Nicolai, der
        in eine Zeit tiefgreifender Änderun-  als Nachfolger des ge# ohenen Gott-
        gen an der Vorläufereinrichtung der   fried Semper die Architektur an der
        heutigen TU. Viele Lehrkrä* e und   Kunstakademie im Sinne der Dresd-
        Studenten engagierten sich in der   ner Neorenaissance prägte. 1853 trat
        Revolution von 1848/49. Das Lehr-   Giese mit einem Entwurf für die neue
        angebot der Anstalt verbreiterte sich,   Dresdner Kreuzschule hervor. Zwei

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