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Planungsmängel verursachten jedoch an notwendigen Ausstattungen. Im
Verzögerungen und steigende Kosten. Bildungsbürgertum der Universitäts-
1802 stand das Projekt kurz vor dem und Kaufmannstadt Leipzig fand
Scheitern. 1803 verö+ entlichte Gedike Gedike jedoch viel Unterstützung.
seine „Grundlinien des Planes der Zeitweise besuchten über 900 Schü-
neuen Bürgerschule zu Leipzig“, die ler die Bürgerschule. Ein Resümee
von der Stadt positiv aufgenommen des Geleisteten publizierte Gedike
wurden. Die Schüler sollten praxisori- in „Neue Nachricht von der jetzigen
entiert gebildet werden, ohne „Hang Bescha+ enheit der Leipziger Bürger-
zu müßigen, unfruchtbaren Grübe- schule“ (1826). Mit den politischen
leien“. Der Lehrplan umfasste Kennt- Veränderungen des Jahres 1830, die
nis des Menschen (einschließlich schließlich in der ersten sächsischen
Gesundheitslehre), deutsche Spra- Verfassung und der Einführung
che, Schreiben, Zeichnen, Rechnen, einer konstitutionellen Monarchie
Mathematik (für die Knabenschule), mündeten, kam auch das ö+ entliche
Naturgeschichte, Physik, Erdbeschrei- Schulwesen auf den Prüfstand. Die
bung, Geschichte, Verfassungskunde, Staatsbürger erhielten größere Ver-
Singen, französische und griechische antwortung. Die Naturwissenschaf-
Sprache, Gewerbskunde, Gedächt- ten und Fremdsprachen gewannen
nis- und Urteilfähigkeit sowie als immer mehr an Bedeutung, während
wichtigen Schwerpunkt die Religi- an der Gedik‘schen Schule die Religi-
ons- und Sittenlehre. Mit Beginn des on noch stärker im Mittelpunkt stand.
Jahres 1804 ö+ nete die Schule für Nach 50 Jahren Arbeit als Pädagoge
265 Schülerinnen und Schüler in drei legte Gedike 1832 sein Amt nieder.
Knaben- und zwei Mädchenklassen.
Zur Lehrerscha* gehörten Johann Gedikes Verdienste wurden vielfältig
Friedrich Adolf Krug, ein Absolvent gewürdigt. Die „Lausitzer Prediger-
des Bautzener Gymnasiums unter Gesellscha* “, der mehrere seiner
Böttiger und zuletzt Privatlehrer in ehemaligen Schüler aus Bautzen
Me+ ersdorf, Johann David Goldhorn angehörten, wählte ihn in Leipzig
von der Peterskirche Leipzig und der zum Ehrenmitglied. Die Stadt Leip-
Privatschullehrer Johann Gottfried zig gewährte ihm eine großzügige
Köhler. Die endgültige Fertigstellung Pension. Gedike zog sich danach in
der Bürgerschule verzögerte sich mit seine frühere Heimat Breslau zurück,
dem napoleonischen Krieg und der wo die Familie seiner jüngeren Toch-
Völkerschlacht zu Leipzig 1813. Das ter wohnte. Hier engagierte er sich
Schulgebäude diente zeitweise als auch für Kleinkinderschulen. Im Jahr
Lazarett. Der Unterricht fand über 1910 ehrte ihn die Stadt Leipzig mit
die gesamte Stadt verstreut statt. der Benennung der Gedikestraße im
Zudem mangelte es der Schule lange Stadt teil Eutritzsch.
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