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ard Müller beau* ragt, die Festhalle
für das Deutsche Sängerbundesfest
in Dresden zu errichten. Die Halle
entstand auf den Waldschlösschen-
Wiesen und war für 20000 Sänger
ausgelegt. Beim Wettbewerb zum Bau
der Wiener Hof oper erhielten Giese
Das Schloss Gauernitz wurde von & Schreiber wie auch bei der Kreuz-
Giese & Schreiber im Stil der Neo- schule Dresden den zweiten Preis.
renaissance umgebaut (Ansicht um Der Nicolai-Schüler Oswald Haenel
1900). (Brückner‘sche Villa in Löbau) be-
gann bei ihnen seine Berufslau& ahn.
Jahre später wurde er mit einem zwei- Für ihre Verdienste um die Archi-
jährigen Reisestipendium für Italien tektur in Sachsen wurden Giese und
ausgezeichnet. Die Reise führte ihn Schreiber 1864 anlässlich des 100.
nach Venedig, Verona, Florenz, Rom Jahrestags der Gründung der Kunst-
und Pompeji. Hier vertie* e Giese
sein kunsthistorisches Wissen und
er fertigte Zeichnungen bedeutender
Gebäude an. In der „Zeitschri* für
Bauwesen“ publizierte er Skizzen zum
Palazzo Pubblico in Siena. Eine An-
sicht des Palazzo Vecchio in Florenz
be% ndet sich im Dresdner Kupfer-
stich-Kabinett.
1857 machte sich Giese in Dresden
mit Bernhard Schreiber, ebenfalls ein Das Stadttheater Düsseldorf (An-
Nicolai-Schüler, selbstständig. 1859 sicht um 1900) wurde von Giese im
erhielten Giese und der Mediziner Stil der Neorenaissance errichtet.
Wilhelm Gustav Seifert bei einem Die Architektur des bereits 1867
Preisausschreiben der Leopoldina entworfenen Bauwerks lehnte sich
zur zeitgemäßen Organisation von an jene des ersten Semper‘schen
Irrenheilanstalten für ihren Entwurf Ho+ heaters in Dresden an. Zur
„Suaviter in mode, fortiter in re“ Erö` nung am 29. November 1875
den ersten Preis. Von 1862 bis 1865 war das Haus noch unfertig und die
errichteten Giese & Schreiber die Kosten hatten sich verdoppelt. Das
Landesbank Altenburg und bis 1866 Gebäude wurde seitdem mehrfach
bauten sie das Schloss Gauernitz um. umgebaut und erhielt 1925 den
1865 wurden sie gemeinsam mit Edu- Namen „Opernhaus“.
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