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aus dem hochwertig gebauten Haus
                                            noch viel Baumaterial gewinnen ließ.

                                            Bei mehreren bedeutenden Aus-
                                            schreibungen erhielten Giese & Weid-
                                            ner Preise für ihre Entwürfe, so für
                                            das Hamburger Rathaus, den Berliner
                                            Reichstag, das Groote Schouwburg-
        Das Landhaus von Karl Louis Bar-    /  eater in Rotterdam, das Leipziger
        teldes, Sti+ er und Gemeinderatsmit-  Reichsgericht und den Dresdner
        glied in Blasewitz, wurde von Giese   Ausstellungspalast. Teilweise gehörten
        bis 1875 errichtet. Der Entwurf     sie danach Konsortien an, welche die
        stammte wohl noch aus der Zeit      siegreichen Entwürfe realisierten bzw.
        mit Hartmann. Barteldes war ein     wie beim Städtischen Ausstellungspa-
        Onkel von Gieses Frau: Er wurde am   last in Dresden Umplanungsarbeiten
        9.4.1821 als Sohn eines Kaufmanns   vornahmen. In mehreren Quellen
        in Dresden geboren und besaß das    werden diese Bauten deshalb in Gie-
        Rittergut Böhrigen. In Blasewitz    ses Werkeliste aufgeführt, wie bei-
        setzte er sich zur Ruhe. Das Haus   spielsweise in „175 Jahre TU Dresden:
        wurde unter der Adresse Naumann-    Die Professoren der TU Dresden,
        straße 4 errichtet. Nach Barteldes‘   1828–2003, Band 3“.
        Tod 1880 ging es zunächst in den
        Besitz seiner Witwe Amalie Rosalie   Zusammen mit dem Bildhauer Robert
        über. Später wurde im mittleren Teil   Diez gewannen Giese & Weidner zwei
        der Naumannstraße der Barteldes-    bedeutende Preisausschreiben der
        platz eingerichtet. Das Haus erhielt   Stadt Dresden für Brunnenanlagen
        die Nr. 1.

        Gebäude wohnte der jüdische Ho¥ u-
        welier Julius Jacoby. Victor Klemperer
        erhielt im September 1942 seine Ein-
        weisung in das von den Nazis als „Ju-
        denhaus“ missbrauchte Gebäude und
        beschrieb eine „riesige viereckige bis
        zum Dach reichende Mittelhalle“. Die
        Villa wurde 1945 bei den Bomben-
        angri+ en auf Dresden zerstört. Frank   Ernst Giese entwarf die zwei Brun-
        Fiedler, als Schüler der Schillerschule   nenanlagen auf dem Albertplatz
        Blasewitz an den Beräumungsarbeiten  in Dresden (Abbildung: „Stilles
        beteiligt, kann sich erinnern, dass sich  Wasser“).

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