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sichtsgremium der Wilhelmsschule teinische Übersetzung des „Robinson“
stand unter der Leitung von Friedrich (1789) und dessen „Kleine Schri* en“
Albert Zimmermann. Neben Gedike mit einer Lebensbeschreibung heraus
als christlichem Pädagogen gehörten (1791). Zudem arbeitete er an den
dem Gremium Vertreter der jüdi- „Schlesischen Provinzblättern“ mit.
schen Gemeinde an, darunter als
Oberlehrer der Reformer Joel Loewe. Im Oktober 1791 bekam Gedike
Vorbehalte gegenüber der säkularen, in der Nachfolge des nach Weimar
vom preußischen Staat geförderten gewechselten K?@_ AT[TX^ B^^K-
Einrichtung gab es vor allem aber [=@ die Leitung des Gymnasiums in
auch seitens traditioneller jüdischer Bautzen übertragen. Seine in Breslau
Kreise. Anlässlich der Erö+ nung der erworbenen Erfahrungen ließen ihn
Schule sagte Gedike dazu: „nicht schnell erkennen, dass das Schul-
leichtsinnige Spötter und Verächter wesen in der Oberlausitz dringend
eures Glaubens, nicht schadenfrohe reformbedür* ig war. Gedike erwarb
und seichte Verächter der durch reli- sich besonders mit seinen struktu-
giöse Ueberzeugungen gegründeten rierten, planvollen Schulprogrammen
Gemüthsruhe ihrer Brüder, sondern große Verdienste um die Lehran-
aufgeklärte und redliche Verehrer der stalt. Er nutzte diese deutsch oder
Religion, gute, zufriedene und mit lateinisch verfassten Jahresberichte
dem Geiste ächter Duldung und Liebe aber auch, um seine grundsätzlichen
erfüllte Menschen, geschickte und Überlegungen zur Pädagogik und
patriotische Bürger solle sie erziehen“. zum Schulwesen in der Oberlausitz
darzulegen. Gedike schrieb u. a. „Vor-
Gedike schrieb in Breslau „Einige stellung an Ältern, die ihre Kinder
Gedanken über den jetzigen Zustand unserer Schule anvertrauen“ (1793),
der alten Litteratur in unsern gelehr- „Erinnerung an einige in unserm
ten Schulen, und dessen Ursachen“ Jahrzehend leicht zu verkennende
(1787), worin er sich für eine mehr und zu vergessende Wahrheiten,
inhaltliche Rezeption der klassischen mit Rücksicht auf die Oberlausitz“
Literatur statt reiner Sprachaneignung (1794) und „Gedanken eines Schul-
aussprach, und ein „Hebräisches manns über eine dem Schulwesen in
Lesebuch für Schulen, mit einem Chursachsen bevorstehende Verände-
vollständigen hebräisch - deutschen rung, mit besonderer Beziehung auf
Wörterverzeichniß“ (1790). Beim die Oberlausitz“ (1795). Im Mittel-
Au& au des Lesebuchs, darunter den punkt der gymnasialen Ausbildung
nach Schwierigkeitsgraden geordne- in Bautzen standen seinerzeit zur
ten Beiträgen, orientierte er sich am Vorbereitung auf ein Universitätsstu-
Vorbild seines Bruders. Von seinem dium die alten Sprachen. Gedike legte
Lehrer Lieberkühn gab Gedike die la- jedoch auch Wert auf die Vermittlung
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