Page 90 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Johann Ephraim Scheibel sowie dem
                                            damaligen Pro-Rektor des Maria-
                                            Magdalenen-Gymnasiums in Breslau,
                                            Johann Kaspar Friedrich Manso,
                                            stand Gedike in enger Verbindung.

                                            Unter der Regentscha*  des preußi-
                                            schen Königs Friedrich II. („der Gro-
                                            ße“) und dem Ein# uss des führenden
                                            preußischen Pädagogen Friedrich
                                            Gedike, Ludwigs Bruder, waren in
                                            Breslau frühzeitig fortschrittliche
                                            Schulreformen eingeleitet worden. Zu
                                            Ludwig Gedikes Aufgaben gehörten
                                            die Prüfung von Schulamtskandida-
                                            ten, die Aufsicht über das königliche
                                            Seminar für Landschullehrer und die
                                            Mitarbeit bei der Organisation der
                                            israelitischen Wilhelmsschule. Diese
                                            am 15. März 1791 mit anfangs 125
                                            Schülern eingeweihte Schule entstand
                                            im Zuge der vom preußischen König
                                            Friedrich Wilhelm II. befohlenen
                                            Neuordnung des „Judenwesens“ in
        Das Elisabeth-Gymnasium ging
        auf eine 1293 bei der St.-Elisabeth-  Breslau ab 1790. Die jüdische Bevöl-
        Kirche Breslau gegründete Elemen-   kerung erhielt erweiterte Bürgerrech-
        tarschule zurück, die als Pfarrschule   te, gleichzeitig musste sie sich feste
        eng mit der Kirche verbunden war.   Familiennamen zulegen. Der König
        Nach der Reformation wurde die      wies die Schulgründung für jüdische
        Schule städtisches Gymnasium und    Kinder an, um „die kün* ige Genera-
        am alten Standort mehrfach umge-    tion zu nützlichen Bürgern des Staats
        baut. Anfang des 20. Jahrhunderts   zu bilden“. Aufgeklärte preußische
        bezog sie einen Neubau an einem     Beamte und Pädagogen unterstützten
        anderen Platz.                      die Integration der jüdischen Mitbür-
                                            ger, auch auf jüdischer Seite fassten
        und hebräische Sprache. Das Gymna-  au¤  lärerische Ideen Fuß. Die Zeit
        sium wurde in jener Zeit von Johann   der Au¤  lärung war insgesamt durch
        Kaspar Arletius geleitet. Besonders   einen verstärkten interkulturellen,
        auch mit dessen Nachfolgern als     christlich-jüdischen Dialog gekenn-
        Rektor Philipp Julius Lieberkühn und   zeichnet. Das Schulkollegium als Auf-

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