Page 89 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 89

Gedike, Ludwig Friedrich Gottlob Ernst


        Professor, Schulreformer
        22.10.1761 Boberow – 09.07.1838 Breslau

        V: Friedrich (*16.11.1718 Berlin, †30.4.1762 Boberow), Magister, Pfarrer, Besitzer einer großen
        Briefsammlung an Philipp Spener; M: Catharina Eleonore geb. Seger, Pfarrerstochter aus
        Bechlin; G: Friedrich (*15.1.1754 Boberow bei Lenzen, †2.5.1803 Berlin, Gymnasialdirek-
        tor, Oberkonsistorialrat, Mitglied der Akademie der Wissenscha* en und der Akademie der
        Künste Preußens, wichtiger Modernisierer des preußischen Bildungswesens, verband in seinen
        Schulprogrammen die klassische humanistische Bildung mit Ideen der Au¤  lärung, stärkte
        die ö+ entlichen Realschulen, 1788 an der Einführung des Abiturs beteiligt, Freimaurer-Loge
        „Zu den drei Weltkugeln“); E: Breslau, Johanna Christine Charlotte geb. Kruttge (Tochter eines
        Arztes, † nach 1838); K: Ernst Friedrich Gustav (1791–18.1.1797), Eduard Ludwig (*30.9.1793
        Bautzen, †13.5.1821 Leipzig, Studium in Leipzig, königlich-preußischer Regierungs-Assessor in
        Magdeburg), Luise Karoline (*29.3.1796 Bautzen, verheiratet in Berlin), Luise Auguste (*7.2.1800
        Bautzen, † nach 1859, ab 1823 in Leipzig und später in Breslau mit dem Juraprofessor Ernst
        /  eodor Gaupp verheiratet, Vorstandsmitglied der Breslauer Singakademie)

        Gedike entstammte einer märkischen   Lebensunterhalt verdiente er sich teil-
        Pfarrerfamilie. Sein Großvater Lam-  weise selbst mit Privatunterricht. In
        bert Gedicke war in Halle von August   Halle wurde er am 1. September 1780
        Hermann Francke im Sinne des Pie-   auch in die Freimaurer-Loge „Zu den
        tismus geprägt worden. Als Kleinkind   drei Degen“ aufgenommen. Der Di-
        verlor Ludwig den Vater. Seine frühe   rektor des Gymnasiums „Zum grauen
        Kindheit verbrachte er in Perleberg.   Kloster“, Anton Friedrich Büsching,
        Mit 10 Jahren fand Gedike Aufnahme   holte Gedike 1782 als Lehrer zurück
        im Schindler‘schen Waisenhaus in    nach Berlin. Dessen Bruder Friedrich
        Berlin, später besuchte er das dortige   arbeitete inzwischen an der selben
        Gymnasium “Zum grauen Kloster“.     Schule. Minister Karl Abraham von
        Besonders sein sieben Jahre älterer   Zedlitz, ein Anhänger der Kant‘schen
        Bruder, Friedrich Gedike, bemühte   Philosophie und Förderer des Volks-
        sich sehr um Ludwigs Ausbildung.    schulwesens, veranlasste noch im
        Friedrich erhielt 1775 eine Anstellung   selben Jahr Gedikes Berufung an das
        als Hauslehrer in der Familie des   Elisabeth-Gymnasium in Breslau
        Au¤  lärers Johann Joachim Spalding   als dritter Professor, weil die dortige
        und nahm Ludwig als Schüler mit.    Ausbildung in den alten Sprachen in
        Mit % nanzieller Unterstützung des   der Kritik stand.
        Schindler‘schen Waisenhauses konnte
        Gedike 1780 die Universität Halle   Gedike unterrichtete ab Januar 1783
        beziehen, wo er /  eologie, Philolo-  neun Jahre am Elisabeth-Gymnasium
        gie und Pädagogik studierte. Seinen   in Breslau die lateinische, griechische

                                                                            89
   84   85   86   87   88   89   90   91   92   93   94