Page 402 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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die Kunstakademie und die jungen
                                            Maler große Verdienste erworben
                                            habe. Seine eigenen jüngeren Arbei-
                                            ten wurden dagegen kritisiert (Dresd-
                                            ner Abendzeitung, 30.8.1806). Das
                                            Lexikon von Georg Kaspar Nagler
                                            schrieb: „Sche nau hatte zwar Phan-
                                            tasie und Geschick zur Komposition,
                                            seine Zeichnung ist aber nicht selten
                                            unrichtig, seinen Figuren fehlt es an
                                            wahrem Leben und Ausdruck, und
                                            die Färbung ist bunt, selbst in den
                                            Schatten noch glühend. Er scheint
                                            hierin den Rubens missverstanden
                                            zu haben.“ Zeissig wurde auf dem
                                            Dresdner Johannisfriedhof beigesetzt,
                                            1854 aber wegen dessen Einebnung
        „Zwei Frauen und drei Männer beim  nach Großschönau umgebettet. Eine
        Kartenspiel“, Metropolitan Museum   Vielzahl von seinen Werken be% ndet
        of Art New York, Open Access for    sich heute im Besitz von Oberlausit-
        Scholarly Content (OASC).           zer Museen, so in Bautzen („Mädchen
                                            mit Tauben“, „Unterzeichnung des
        verbleibenden Jahren holte Zeissig zu-  Ehevertrages“), in Görlitz („Ehepaar
        sammen mit Camillo Graf Marcolini   in der Laube“, „Familienszene“), in
        weitere namha* e Künstler nach Dres-  Zittau („Bildnis eines jungen Man-
        den, so 1799 den Porträtmaler Joseph   nes“, „Christus am Ölberg“) und eine
        Grassi. 1803 erhielt Adrian Zingg die   größere Anzahl Bilder im Deutschen
        lange verwehrt gebliebene Professur.   Damast- und Frottiermuseum Groß-
        Dominierten am Beginn von Zeissigs   schönau. Zeissigs Werke % nden sich
        akademischer Lau&  ahn in Dresden   aber auch im Metropolitan Museum
        noch Historienmalerei und Klassizis-  of Art New York und der National
        mus, so begann unter seiner Leitung   Gallery of Art Washington. Die Staat-
        eine Erneuerung. Insbesondere Zingg   lichen Kunstsammlungen Dresden
        wurde zu einem Wegbereiter der Ro-  besitzen neben den Ölgemälden „Die
        mantik, die später unter Caspar David  kurfürstliche Familie“, „Das Kunstge-
        Friedrich in Dresden zum Durch-     spräch“ und „Bildnis des sächsischen
        bruch gelangte.                     Kurfürsten und Königs Friedrich
                                            August des Gerechten“ vor allem
        Als Zeissig starb, attestierte die zeit-  mehrere Porzellane „mit dem grünen
        genössische Kritik, dass er sich um   Band“ nach Zeissigs Entwürfen.

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