Page 406 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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bekannten Architekten und späteren heit gestaltet. So befand sich beidsei-
Dozenten an der Hochschule für Bil- tig alter Baumbestand der natürlichen
dende Künste, und dessen jüdischer Hartholzaue mit vorwiegend ein-
Ehefrau Fanny. Ich wurde dadurch heimischen Baumarten (Spitzahorn,
schon frühzeitig mit den politischen Ulme, Hainbuche, Esche). Diese
Kon# ikten der Nazizeit konfrontiert. naturnahe Gartengestaltung wurde
Weil mein Onkel lieber ins Arbeitsla- später zum Vorbild, um im eigenen
ger ging, als sich scheiden zu lassen, Garten Lebensräume für Wildbienen
und mein 1945 an der TH Dresden (regelmäßige Bruten), Bergmolche
beschä* igter Vater Ausweisdokumen- (regelmäßig anwesend), Haselmäuse
te fälschte, überlebte meine Tante als (zeitweise anwesend), verschiedene
eine der wenigen jüdischen deutschen Vogelarten (z. B. die regelmäßigen
Mitbürger den Holocaust in Dres- Bruten der Tannenmeise im Laub-
den. Zu den Hausbewohnern jener holzbestand) und seit einigen Jahren
Zeit zählte auch Götz Heidelberg, besonders erfolgreich für die Wald-
später maßgeblicher Er% nder der eidechse zu scha+ en.
Transrapid-Technik. Hauseigentümer
waren Avenarius‘ Stiefsohn Wolf- Nachdem ich frühzeitig die Mutter
gang Schumann und dessen Ehefrau verloren hatte, verließ ich das Gymna-
Eva. Sie lebten während der Nazizeit sium und bewarb mich um eine Aus-
zeitweise im Exil; Eva Schumann bildung zum Neulehrer. Um meine
wurde in der DDR zur Ehrenbürgerin Chancen trotz des jugendlichen Alters
von Freital ernannt. Unser Wohnhaus zu erhöhen, trat ich auch der SED bei.
% el den Bombenangri+ en des 13./14. Dabei spielte zudem eine Rolle, dass
Februar 1945 zum Opfer. Wir hatten in der Familie zunächst eine durchaus
jedoch Glück im Unglück, überlebten positive Einstellung zum Sozialismus
vollzählig und fanden Aufnahme in bestand. Mein Vater, ein ehemali-
Eichbusch, der Heimat meines Vaters. ges SPD-Mitglied und zeitweilig als
Französisch-Dolmetscher in einem
Mein lebenslanges Interesse an gewäs- Kriegsgefangenenlager eingesetzt,
serkundlichen / emen geht auf jene hatte mir eindringlich von den
Kindheitstage in Blasewitz zurück. Verbrechen der Nazis berichtet. Es
Meinem Vater und dem im Haus war meinem Vater zu jener Zeit noch
wohnenden Oberlehrer i. R. Minkert nicht möglich, in der zunehmenden
verdankte ich vielfältige Anregungen, „Kaltstellung“ als künstlerischer
mich mit der Natur, z. B. der Fauna Mitarbeiter der SED-Landesleitung
der nahen Elbe, zu beschä* igen. Der zugunsten eines Gegenspielers aus
Garten des Blasewitzer Wohnhauses der ehemaligen KPD das kommende
war ganz im Sinne der vom Dürer- System zu durchschauen.
bund propagierten Naturverbunden-
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