Page 398 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Paris kannte, verhalf er mit Unterstüt-
                                            zung von Marcolini in Meißen dem
                                            Klassizismus französischer Prägung
                                            zum Durchbruch. In der farblichen
                                            Gestaltung übernahm man das „Bleu
                                            du roi“ aus Sèvres. Vielfach lieferte
                                            Zeissig die zeichnerischen Vorlagen
                                            zu Aciers Plastiken, so bei „Die gute
                                            Mutter“ oder den „Devisenkindern“.

                                            Schon während seiner frühen Dresd-
                                            ner Jahre stand Zeissig den Freimau-
                                            rern nahe, ohne selbst beizutreten. In
                                            den Hungerjahren von 1771 bis 1773,
                                            aufgrund von Missernten, Hochwas-
                                            ser und In# ation, erwarben sich die
                                            Freimaurer große Verdienste um die
        Spendenaufruf der Dresdner Frei-    Dresdner Bevölkerung. Für zunächst
        maurer als Beilage zum Dresdner     30 verarmte Kinder gründete die
        Anzeiger.                           Loge „Zu den drei Schwertern“ das
                                            Freimaurer-Institut. Finanziert wurde
        und Rokoko Johann Joachim Kaend-    es teilweise aus dem Verkauf eines
        ler zur Seite gestellt. Die Leitung der   Drucks nach Zeissigs Gemälde „Der
        Zeichenschule übernahm Christian    Weise“, von Christian Friedrich Stöl-
        Wilhelm Ernst Dietrich, der auch die   zel gestochen. Es stellt den Sti* er des
        künstlerische Oberaufsicht über alle   Freimaurer-Ordens dar, wie er auf ein
        Modelleure und Maler der Manu-      Bild mit den Wohltaten der Freimau-
        faktur ausübte. 1773 wurde Zeissig   rer gegen die Armut zeigt. Mithilfe
        dessen Nachfolger. Wie Acier sollte   einer Beilage zum Dresdner Anzeiger,
        er den „guten Geschmack“ aus Paris   mit einem von Adrian Zingg gesto-
        einführen, dabei die Maler in Per-  chenen Werk Zeissigs als Titelblatt,
        spektive und Zeichnung anleiten     sammelte man Spenden. Johann
        und die Modelleure beraten. 1774    Ludwig Giesel schuf nach Zeissigs
        übernahm Camillo Graf Marcolini,    Zeichnung für die Loge „Zu den drei
        ein Vertrauter des Kurfürsten, die   Schwertern“ ein Wandgemälde.
        Leitung der Porzellan-Manufaktur.
        Nach Kaendlers Tod 1775 war Acier   1774 wurde Zeissig unter dem Di-
        alleiniger Modellmeister in Meißen.   rektor der Malereiakademie Charles
        Gemeinsam mit Zeissig, den er schon   Hutin zum Honorar-Professor für
        seit ihrer gemeinsamen Studienzeit in   Genre- und Porträtmalerei ernannt.

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