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Zeissig, Johann Eleazar (Schenau)


        Professor, Maler, künstlerischer Leiter der Kunstakademie Dresden
        07.11.1737 Großschönau – 23.08.1806 Dresden

        V: Elias (Damastweber); M: Anna Elisabeth geb. Paul; G: 10, wobei Zeissig während seiner Kind-
        heit der einzige Sohn neben fünf Schwestern war


        Zeissig wuchs in einfachen Verhält-  inzwischen als Rektor die Académie
        nissen auf. Sein Vater förderte trotz-  Royale leitete. Zeissig setzte in Paris
        dem das frühzeitig erwachte künst-  seine Studien bei Louis und Charles-
        lerische Interesse des Sohns, den er   François de Silvestre fort. Er legte
        aber zunächst die Damastweberei ler-  seinen Familiennamen ab, weil ihn
        nen ließ. Um 1749 dur* e Zeissig nach  die Franzosen nicht richtig ausspre-
        Dresden gehen. Von Adam Man yoki,   chen konnten, und nannte sich nach
        seit 1731 sächsischer Hofmaler, er-  seinem Geburtsort Schenau. Zeissig
        ho”  e man sich eine Förderung. Doch  war mit dem Kupferstecher Johann
        dem greisen Man yoki fehlten dafür   Georg Wille befreundet und wur-
        die Mittel und so empfahl er Zeissig   de von Jean-Siméon Chardin und
        an den Rechtsanwalt Dr. Rau+ uß am   Jean-Baptiste Greuze beein# usst. Der
        Neumarkt. Hier konnte der Junge     sächsische Gesandte in Paris, Gene-
        seinen Lebensunterhalt als Schrei-  ral Fontenay, war sein Freund und
        ber verdienen. Schließlich dur* e er   Gönner. Die Kronprinzessin Maria
        bei Johann Christian Beßler, einem   Josepha (Madame la Dauphine), eine
        Schüler von Anton Raphael Mengs,    Tochter des sächsischen Kurfürsten
        an der Malerakademie Zeichenunter-  und polnischen Königs August III.,
        richt nehmen. Sie stand vormals unter  beau* ragte ihn mit Kopien nach
        der Leitung von Louis de Silvestre,   Christian Wilhelm Ernst Dietrich
        nach dessen Rückkehr nach Paris     und dessen Nachahmung der heiligen
        1748 unter der seines Sohns Charles-  Nacht von Corregio. Den Kontakt
        François de Silvestre und später unter   hatte Marie Maximilienne de Silvest-
        jener seines Ne+ en Charles Hutin.   re vermittelt, eine Zeichnerin und
        Von Charles-François de Silvestre   älteste Tochter von Louis de Silvestre,
        und Hutin wurde Zeissig im Stil der   die Vorleserin und eine Vertraute der
        französischen Malerei geprägt.      Kronprinzessin war. Nicolas-Charles
                                            Silvestre, ein Bruder von Louis de Sil-
        Nach dem Ausbruch des Sieben-       vestre und königlicher Zeichenmeis-
        jährigen Kriegs im Jahre 1756 ging   ter in Paris, unterstützte ihn ebenfalls.
        Zeissig mit Charles-François de     Zeissig schuf Porträt- und Genre-
        Silvestre nach Paris, wo dessen Vater   bilder, im Louvre und in Versailles

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