Page 390 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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wurde Winckler im Spessart von ei-
        nem vermummten Reiter angeschos-
        sen und dann erstochen. Es kam der
        Verdacht auf, dass Konrad Ho+ mann
        zumindest Ansti* er, vielleicht sogar
        eigenhändig der Mörder gewesen sei.

        Der Mord an dem beliebten Predi-
        ger rief in Halle große Empörung
        hervor. Martin Luther, obwohl von
        kursächsischer Seite zur Zurück-
        haltung gedrängt, richtete am 17.
        September 1527 ein Trostschreiben
        an die Christen zu Halle, in welchem
        er über den Mord berichtete. Luther
        gab Erzbischof Albrecht zwar keine
        direkte Schuld, wies jedoch darau—  in,
        dass Winckler auf dessen Befehl hin
        erschienen sei, und forderte Albrecht
        auf, den Mörder zu bestrafen. Eine   Martin Luther: „Tröstung an die
        solche Mitverantwortung des Erzbi-  Christen zu Halle über Herrn Geor-
        schofs schloss Philipp Melanchthon   gen, ihres Predigers, Tod“. 1527:
        dagegen aus. Gegner der Reformation   „Ich habe mir längst vorgenommen,
        wie der sächsische Herzog Georg der   meine Lieben Herrn und Freunde,
        Bärtige erwiderten Luthers Schri*    eurer Liebe zu schreiben eine Ver-
        he* ig. Am 26. April 1528 erneuer-  mahnung und Trost wider den Un-
        te Luther seine „Trostschri*  an die   fall, so euch der Satan zugefügt hat
        Christen zu Halle“, die er zur Stand-  durch den Mord, welchen er began-
        ha* igkeit aufrief. Vehement gegen Lu-  gen hat an dem guten und frommen
        thers Trostschri*  trat auch Johannes   Mann, Magister Georgen, und euch
        Cochläus auf, seit 1526 Kanonikus auf   also eures treuen Predigers und Got-
        dem St. Victorsberg bei Mainz. Coch-  tes Wort beraubet. Es hat mich aber
        läus, später Herzog Georgs Sekretär,   allezeit verhindert, sonderlich mei-
        verteidigte die Mainzer Domherren   ne Schwachheit; und wiewohl ich
        und lenkte stattdessen den Verdacht   noch nicht recht heraus bin, kann
        auf die adlige Verwandtscha*  von   ich doch nicht länger verziehen.
        Wincklers Frau. Im Zusammenhang     Und wenn wir uns gleich in diesem
        mit einem Justizmord an Albrechts   Fall nicht trösten wollten, so wäre es
        Kämmerer Hans von Schönitz im       doch unbillig, solchen schändlichen,
        Jahre 1535 beschuldigte Luther den   verräterischen Mord...“

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