Page 387 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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ist stark anzunehmen, dass Winckler war den Werten von Humanismus
Augenzeuge des Streitgesprächs wur- und Bildung aufgeschlossen und
de. Im selben Jahr musste die Uni- übergab dem „Neuen Sti* des hei-
versität wegen der Pest zeitweise von ligen Moritz und der Seligen Maria
Leipzig nach Meißen verlegt werden. Magdalena zum Schweißtuch des
Herrn“ die Verantwortung für die
Nach dem Studium in Leipzig trat Wissenscha* im Erzsti* Magdeburg,
Winckler als Kanoniker und Kaplan es war sogar die Gründung einer
in die Dienste von Erzbischof Alb- Universität geplant. Um 1523 ging
recht, vermutlich von Beginn an in Albrecht zunehmend auf Distanz zur
Halle. Albrecht hatte hier 1520 ein Reformation. Als Bollwerk gegen ihr
neues Collegiatsti* eingerichtet. Er rasches Ausbreiten baute er in Halle
Halle, im 16. Jahrhundert mit Moritzburg und Dom abgebildet, war kir-
chenpolitisch von großer Bedeutung für die Reformation. Hier residierte
mit dem Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Kardinal Albrecht, der
nach dem Papst ranghöchste kirchliche Würdenträger im „Heiligen Rö-
mischen Reich Deutscher Nation“ und gleichzeitig einer der wichtigsten
Gegner Luthers. Halle war aber dank des Reichtums aus dem Salzhandel
auch ein Ort mit großer bürgerlicher Tradition. Erst Streitigkeiten zwi-
schen den Handwerkerinnungen und den Pfännern (Salzsiedern) hatten
dafür gesorgt, dass 1478 die Stadt nach 200-jähriger Selbstständigkeit in
erzbischö/ ichen Besitz gelangte. Erzbischof von Magdeburg war seit 1476
mit Ernst von Sachsen ein Wettiner. Ernst ließ in Halle mit der Moritzburg
eine neue Residenz errichten. Nach Ernsts Tod 1513 übernahm Albrecht
von Brandenburg das Erzbistum.
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