Page 391 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 391
Erzbischof direkt einer Mitschuld ge, gebete vnd Reymen, für die Gots-
auch an Wincklers Ermordung. Als förchtigen Läyen“ (1541). Witzel hatte
Indizien galten, dass jener scheinbar sich seinerzeit wieder von Luther
ohne jede Sanktion hatte nach Halle abgewandt. Andererseits publizierte
zurückkehren dürfen und dass es Vehe deutschsprachige Liedtexte, wie
keine ernstha* en Untersuchungen es Martin Luther propagierte. Olea-
gegeben hatte, den Mord aufzuklären. rius interpretierte das missverständ-
liche Zitat eines Liedautors G.W. bei
Von Winckler ist heute überliefert, Vehe mit persönlichem Neid, aber
dass er christliche Lieder gesam- auch mit politischer Vorsicht wegen
melt und auch selbst verfasst habe. der Missliebigkeit des lutherischen
Michael Vehe, nach Wincklers Tod Predigers Winckler im katholisch
vom Erzbischof als Propst nach Halle beherrschten Halle jener Tage.
geholt, um die Sti* skirche wieder
im katholischen Sinne zu führen, Quellen: Adolf Brecher: „Winckler, Georg“.
wird teilweise unterstellt, dass sein Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 43, 1898, S.
historisch bedeutsames, katholisches 365; Karl Wilhelm Mittag: „Chronik der königlich
Liedbuch „Ein New Gesangbuechlin sächs. Stadt Bischofswerda‘‘. May Bischofswerda,
1861; Michael Pusch, Christian Heckel: „Historische
Geystlicher Lieder vor alle gutthe Beschreibung der Stadt Bischo+ swerda. Harpetern
Christen nach ordenung Christli- Dreßden, 1713; Georg Pilk. „Die Amtsdörfer bei
Bischofswerda im Jahre 1559“. Unsere Heimat,
cher kirchen“ (1537) auf Wincklers 9.6.1925; Matrikel- und Promotionsverzeichnis
Sammlung zurückgehen solle. Quelle Universität Leipzig; Adolf Laube, Ulman Weiss:
hierfür ist Johann Christoph Oleari- „Flugschri* en gegen die Reformation (1525–1530)“.
Akademie Verlag, 2000, S. 525; Johann Geor-
us, ein Historiker des evangelischen ge Kirchner: „Historische Nachricht von dem
Liedschatzes, mit seiner „Hymnologia Märtyrertode der ersten Lutherischen Blutzeugen
Passionalis“ (1707). Olearius wies Jesu Christi“. Waisenhaus Halle, 1755; „Martin
Luthers Kritische Gesamtausgabe“. Böhlau, 1933;
dem Lied „Da Jesus an dem Kreutze Otto Michaelis: „Protestantisches Martyrerbuch“.
stunde“ aus Vehes Sammlung eine J.F. Steinkopf, 1932; Norbert Böhnke: „Renais-
Autorenscha* Wincklers zu, dem sance Halle“. 2001; Armin Stein: „Die Stadt Halle
a. d. Saale“. Eugen Strien Halle, 1901; Hallisches
demnach auch „Die Propheten seind patriotsches Wochenblatt, Bd. 2, in Commission der
erfüllet“, „Zu Tisch dieses Lämmleins Buchhandlung des Waisenhauses, 1841; Enno Bünz,
Franz Fuchs. „Der Humanismus an der Universität
so rein“, „Lobsinget mit Freuden alle Leipzig“. Otto Harrassowitz Verlag, 2009; Johann
Rechtgläubigen“, „Vater im Himmel, Christian Gueinz: „Memoria Georgii Winckleri,
wir Deine Kinder bitten durch Christ veritatis divinae contra o+ ucias Romanae curiae
apud Hallenses saeculo post Christum natum XVI
das ewige Kind“ zuzuordnen wären. testis integerrimi, renovata interprete M. Io. Christ.
Bei Vehe ist tatsächlich die Mitar- Gueinzio“. Halle 1729; Werner Freitag: „Mitteldeut-
beit eines G.W. vermerkt, was heute sche Lebensbilder: Menschen im späten Mittelalter“.
Böhlau 2002; Gottfried Lebrecht Richter: „Allgemei-
aber eher auf Georg Witzel bezogen nes biographisches Lexikon alter und neuer geist-
wird unter Hinweis auf dessen „Odae licher Liederdichter“. Martini 1804; Paul Redelin:
„Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue
christianae: Etliche christliche Gesen- Sti* zu Halle. 1520–1541“. F. Kirchheim, 1900
391

