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Bischofswerda um 1623 mit der 1497 unter Bischof Johann VI. geweihten
Marienkirche. Die vorherige, vermutlich 1076 von Benno von Meißen ge-
sti+ ete Kirche war 1469 abgebrannt (Blick von Osten nach Westen).
Bischofswerda wurde zu Winck- Universität Leipzig unter dem Rektor
lers Jugendzeit zum Schauplatz von / ilo von Trotha immatrikuliert. Es
Kon# ikten zwischen dem Bischof und ist unbekannt, ob Winckler häu% g
dem sächsischen Herzog Georg dem nach Bischofswerda zurückkehrte
Bärtigen, der eine Schutzherrscha* oder für seinen Lebensunterhalt
über das bischö# iche Gebiet bean- bezahlte Stellungen annehmen
spruchte. Als ein ehemaliger Ge- musste. Nach Prager Vorbild galt in
folgsmann von Herzog Georgs Vater Leipzig eine 4-Nationen-Verfassung.
1504 Bischofswerda über% el und eine Sowohl die Studenten als auch die
größere Zahl der Einwohner in mona- Lehrkrä* e kamen aus Meißen (dem
telange Geißelha* nahm, der Bischof heutigen Sachsen zzgl. / üringen und
ihm aber die erbetene Unterstützung Südbrandenburg), Bayern, Sachsen
versagte, ließ Herzog Georg die Stadt (einschließlich Norddeutschland,
besetzen und gab sie erst 1507 zurück. Baltikum) und Polen (einschließlich
Böhmen), wobei die Grenzen dazwi-
Wincklers Eltern waren vermutlich schen und nach außen relativ # exibel
wohlhabend, denn die % nanziellen gehandhabt wurden. Die Leitungs-
Belastungen eines langen Studiums gremien waren paritätisch besetzt.
konnten sich im ausgehenden Mit- Daraus resultierte schon damals ein
telalter nur wenige leisten und lange internationaler Charakter der Uni-
Studienzeiten waren wegen der mehr- versität in der Messestadt. Im Som-
stu% gen Graduierungsprozedur, aber mersemester 1509 wurden insgesamt
auch wegen der Reisebe lastungen 353 Studenten neu immatrikuliert,
nachhause nicht ungewöhnlich. Der darunter 110 aus Meißen. Etwa 10%
Sohn wurde als Georgius Winckeler der ungefähr 8000 Einwohner Leip-
im Sommersemester 1509 an der zigs waren seinerzeit Studenten. Den
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