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Winckler, Georg


        Bacc. jur., Prediger, Märtyrer der Reformation
        * um 1490/1495 in Bischofswerda oder Goldbach – 23.04.1527 im Spessart bei
        Ascha+ enburg


        V: Bürger in Bischofswerda; E: um 1526 mit einer Adligen

        Wincklers Geburtsdatum ist in der   seinen Sohn in Goldbach hätte taufen
        Literatur unbekannt. Von der Imma-  lassen, weil es seinerzeit in Bischofs-
        trikulation im Sommersemester 1509   werda keine Stadtkirche gab. Der hier
        an der Universität Leipzig kann aber   ansässige Erzpriester war mit seinen
        abgeleitet werden, dass er Anfang   Kaplanen für die drei Kapellen der
        der 1490er Jahre geboren wurde.     Stadt zuständig und beaufsichtigte
        Sowohl die Immatrikulation als auch   weitere Kirchen in der Umgebung.
        die Bischofswerdaer Chronik von     Vor diesem Hintergrund wäre aber
        1713 von Christian Heckel und die   auch verständlich, wenn eine mög-
        nachfolgende von K?@_ WK_q=_~       liche Geburt von Georg Winckler
        MK^^?[ verweisen auf eine Herkun*    noch in Goldbach vor einem Umzug
        aus Bischofswerda, jedoch nicht die   in die Stadt in der Überlieferung
        vorherige Chronik von Michael Pusch  verloren gegangen wäre. Bischofs-
        von 1659. Einige historische Quellen   werda gehörte zu jener Zeit nicht
        geben Goldbach als Geburtsort an.   nur geistlich zum Bistum Meißen,
        Ohne tatsächlichen biogra% schen    sondern wie im gesamten Bereich des
        Bezug bei Georg Winckler ist die    Hochsti* s übte der Bischof zudem
        Zitierung dieses kleinen Dorfes kaum   die weltliche Herrscha*  aus. Bischof
        vorstellbar. Möglicherweise ist dieser   Johann VI. von Saalhausen bemühte
        Widerspruch dadurch zu erklären,    sich seit seiner Amtseinführung 1488
        dass im Mittelalter der Umzug vom   um wirtscha* liche Fortschritte auch
        Dorf in die Stadt kein einfacher    in der Provinz. Das Markttreiben in
        Ortswechsel war. Auch wenn die      Bischofswerda belebte sich und in der
        Erbuntertänigkeit in Sachsen weni-  Stadt wuchs der Wohlstand, was si-
        ger ausgeprägt war, bestanden auf   cher Einwohner aus den umliegenden
        dem Dorf feudale Abhängigkeiten.    Dörfern anzog. Eine weitere Erklä-
        1559 gab es unter den 29 Goldbacher   rung für die Angabe von Goldbach
        Grundbesitzern einen Hans Winck-    könnte die Verwechslung mit einem
        ler (mit identischer Schreibweise).   möglichen Sterbebort Wincklers sein.
        Eventuell entstammte Georg Winck-   Eine Landmeile von Ascha+ enburg
        lers Vater einem pa rallelen Familien-  entfernt und genau in Richtung Halle
        zweig. Dies könnte erklären, wenn er   liegt Goldbach im Spessart.

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