Page 290 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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daß es auch nicht bloß gelte, diese
                                            ausgewählten Kunstwerke auszustel-
                                            len, sondern auch Ausstellungskunst
                                            zu zeigen, durch die Art der Ausstel-
                                            lung, durch architektonische und
                                            dekorative Anregungen künstlerisch
                                            zu wirken und anzuregen.“ (Paul
                                            Schumann: „Dresden“. Berühmte
                                            Kunststätten Bd. 46, 1909) Auf sei-
                                            nem Ausstellungsplakat, das heute
                                            zum Bestand des Kupferstichkabi-
                                            netts Dresden gehört, stellte Schind-
                                            ler einen „siegkündenden olympi-
                                            schen Wettstreiter“, umrahmt von
                                            einem Goldmosaik, dar. Mit der
                                            Wahl des Motivs erinnerte er an die
                                            in der Ö` entlichkeit begeistert auf-
                                            genommenen ersten Olympischen
                                            Spiele der Neuzeit 1896 in Athen,
        „Die erste internationale Kunstaus-  ein Gleichnis für die Au„  ruch-
        stellung zu Dresden im Jahre 1897   stimmung in Dresdens Kunstleben.
        muß als epochemachend für Dres-     Gleichzeitig steht Schindlers Werk
        den bezeichnet werden. Hier wurde   als eine der ersten bedeutenden
        zum ersten Male der Grundsatz       Arbeiten in Dresden für den Auf-
        betont und in die Tat umgesetzt,    stieg der Plakatgestaltung zu einer
        daß es sich nicht um einen gro-     eigenständigen Kunstrichtung, als
        ßen Kunstmarkt, sondern um eine     „Kunst für die Straße“.
        Eliteausstellung handeln dürfe, und
                                            Kunstausstellung in Dresden, nach-
        sche Wandgemälde („Architektur“,    dem der ursprüngliche erste Preis-
        „Chemie“) für die Königlich-Techni-  träger disquali% ziert worden war.
        sche Staatslehranstalt Chemnitz. 1897   Diese Ausstellung markierte einen
        wurden sie in Dresden im Canaletto-  Wendepunkt in der bildenden Kunst
        Saal an der Brühlschen Terrasse mit   Dresdens. Nach Jahren der Stagna-
        großem Erfolg gezeigt. Sie gelten seit   tion kamen von 1895 bis 1901 mit
        dem Umbau der Chemnitzer Aula in    Gotthardt Kuehl, Carl Bantzer, Otto
        einen Hörsaal in den 1950er Jah-    Gussmann und Eugen Bracht Vertre-
        ren als verschollen. Ebenfalls 1897   ter moderner Stilrichtungen an die
        gewann Schindler den Wettbewerb     Kunstakademie. Sie lösten schrittwei-
        für das Plakat zur I. Internationalen   se Schindlers Lehrer, als Vertreter des

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