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Vom 18. Mai bis 22. September 1848
                                            vertrat Hermann den Wahlkreis
                                            Bautzen in der Frankfurter National-
                                            versammlung. Er gehörte der ein# uss-
                                            reichen, nationalliberalen Fraktion
                                            „Casino“ vom rechten Zentrum an,
                                            die sich für eine konstitutionelle
                                            Monarchie einsetzte, eine Einheit
                                            Deutschlands mit föderalen Befugnis-
                                            sen befürwortete und gegen „Anar-
        Das Rittergut Weidlitz befand sich   chie“ au* rat.
        von 1816 bis 1945 im Besitz der
        Familie Hermann. Der bekannteste    Um die verfügbaren Fördermittel ef-
        Vorbesitzer war ab 1746 Kabinetts-  fektiv einzusetzen, wurden in Sachsen
        minister Heinrich von Brühl. 1749   neue Organisationsstrukturen in der
        verkau+ e er Weidlitz an den Kur-   Landwirtscha*  benötigt. Ansprech-
        fürstlich Sächsischen Hof- und Justi-  partner der Regierung war ab 1850
        zienkanzlei-Sekretär Friedrich Phi-  der neu gegründete Landeskulturrat.
        lipp Lingke (*1713 Dresden), einen   Das Gründungsmitglied Hermann
        Urgroßvater von Paul Hermann.       hatte hier bis 1856 den stellvertreten-
        Nach Lingkes Tod 1783 blieben       den Vorsitz unter Wilhelm Crusius
        Weidlitz und Pannewitz im Besitz    von der Leipziger Oekonomischen
        seiner Kinder. Als letztes starb am   Societät inne. Zuständiger Regie-
        20.5.1816 seine Tochter Christiane   rungskommissar war /  eodor Reun-
        Friederike (*16.8.1741 Dresden),    ing, vortragender Rat im Innenminis-
        verheiratet mit dem Kurfürstlich    terium. Als ordentliches Mitglied und
        Sächsischen Kammerassistenzrat      zuständig für Wissenscha*  gehörte
        und Obersalz inspektor Johann Za-   auch Julius Adolph Stöckhardt dem
        charias Hermann (†1802), die ihre   Landeskulturrat an.
        Besitzungen ihrem Sohn vererbte,
        dem Vater von Paul Hermann. Im      Um Wissenscha*  und Praxis enger zu
        Zusammenhang mit der Schlacht       verzahnen, wurden landwirtscha* -
        von Bautzen 1813 kam es in Weid-    liche Versuchsstationen gegründet.
        litz zu erheblichen Verwüstungen.   Sachsen spielte dabei eine führende
                                            Rolle. Die 1852 in Leipzig-Möckern
        verein Bautzen und den Zweigverein   unter Mitwirkung des Landeskultur-
        „Am Schwarzwasser“. Ab 1849 stand   rates gegründete Versuchsstation war
        Hermann dem Oberlausitzer Kreis-    deutschlandweit die erste Einrichtung
        verein vor, sein Stellvertreter war   ihrer Art. Nach den Erkenntnis-
        E@>X^ Tq=]|]@ S^`‚q?@|^.           sen von Justus von Liebig stand die

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