Page 148 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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ten, besonderen Unterricht bei Wieck
                                            gehabt. Zu nennen wären: Woldemar
                                            Heller, einer der ersten Klavierleh-
                                            rer Dresdens...“ Ebenfalls zu diesem
                                            Kreis gehörten der Oderwitzer Gustav
                                            Merkel (Organist der Dresdner
                                            Ho¤  irche), Isidor Seiss (Professor am
                                            Konservatorium Köln), Hans von Bü-
                                            low (Ho¤  apellmeister in München),
                                            der Musikdirektor Friedrich Reichel,
                                            der Friedrich Schneider-Schüler Fritz
                                            Spindler und Karl Riccius (Chordi-
        Das Friedrich-Wieck-Haus in         rektor vom Ho* heater).
        Loschwitz war nach dem Zuzug der
        Familie Wieck ab 1840 ein Zentrum   Ab 1853 verö+ entlichte Heller einige
        des gesellscha+ lichen Lebens in    Kompositionen bei renommierten
        Dresden. Auch Woldemar Heller ge-   Musikverlagen. Die Zeitschri*  für
        hörte zu den regelmäßigen Gästen.   Musik schrieb 1853 über „Deux
                                            Nocturnes pour Piano“: „Die beiden
        die Gesangspädagogin Emma Seiler-   Nocturno‘s sind ansprechende Salon-
        Diruf gehörten zu Hellers Schülern.   stücke, die für die tüchtige Technik
        Woldemar Heller stand seinem Lehrer  des Componisten sprechen, der mit
        Friedrich Wieck sehr nahe und zählte   diesem ersten Werke in anständiger
        in Dresden zu dessen Freundeskreis.   Weise vor die Ö+ entlichkeit tritt und
        Aktuelle und ehemalige Schüler      für weitere derartige Arbeiten zu er-
        kamen im Hause Wieck zusammen,      freulichen Ho+ nungen berechtigt.“
        um Musik zu hören und darüber zu    1855 erschienen bei Breitkopf & Här-
        diskutieren. Marie Wieck erinnerte   tel in Leipzig „Walzer, quasi Mazurka,
        sich: „Da wir jedoch zu Hause ein   für Pianoforte“ (op. 4), „Tarantelle
        echtes Kunstleben führten, war ein   in A-Moll“ (op. 5), „Jagdszene, ein
        fortwährendes Reisen nicht nach     Clavierstück“ (op. 6) und „Tarantelle
        meinem Sinn. Schüler gingen ein     in D-Moll“ (op. 7). In der Rheini-
        und aus. Abends saß gewöhnlich in   schen Musik-Zeitung hieß es dazu:
        jeder Ecke irgendein spitzbübischer   „Diese Compositionen sind sämmt-
        junger Mann, der die Urteile und    lich hübsch, klar, mitunter sogar ganz
        Belehrungen von Wiecks Munde        originell und zeichnen sich vor so
        ablas. Wieck ließ vorspielen, machte   vielen neuen Erscheinungen auch
        dabei Bemerkungen über Anschlag     durch ihre leicht in die Finger fal-
        und Ausdruck... Natürlich hatten    lende Schreibart sehr vorteilha*  aus.
        diejenigen, die sich später hervorta-  Wir dürfen dieselben allen Pianisten

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