Page 149 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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als recht dankbar empfehlen.“ Hellers
        Lehrer Friedrich Wieck hatte zu-
        nächst nach dem System von Johann
        Bernhard Logier unterrichtet, das er
        jedoch schließlich mit einer eigenen
        Methode ersetzte. Sie bestand in einer
        natürlichen Haltung der Hand, in der
        Ausbildung des Handgelenks und in
        von Wieck erfundenen, sehr einfa-
        chen Fingerübungen sowie einer nach
        und nach sich an Kra*  steigernden
        Fingergelenkigkeit. Wieck schrieb
        dazu: „Auch der erfahrenste Künst-
        ler bleibt immer ein Schüler und das
        Lehren der Kunst insbesondere ist ein   Louis Kindscher, Niederrheinische
        tägliches Lernen.“ Seine Grundsätze   Musik-Zeitung für Kunstfreunde
        gab er an seine Schüler weiter. Neben   und Künstler, 29.3.1856, S. 103–104,
        seinen beiden Töchtern Clara und    zu op. 7, „Tarantelle in D-Moll“:
        Marie hob er Woldemar Heller und    „dass es noth thut, mit der Ein-
        Ernst Ferdinand Wenzel hervor, die   fachheit und gesunden Natur der
        seine Lehren mit Leben erfüllten. Mit   Outrirt- und Blasirtheit, der allge-
        Heller plante er das Buch „Kleine,   meinen Unnatur und dem grossen
        rhythmisch abgeschlossene Übungen“.   Nichts der modernen Salon-Roman-
        Es sollte den Lesern „einen guten,   tik entweder den Rücken zuzukeh-
        technischen Anschlag, ohne Noten-   ren oder – wie der oben erwähnte
        gebrauch“ lehren. Vermutlich ist es zu   D-Moll-Accord – kühn und trotzig
        diesem Buch wegen des frühen Todes   die Spitze zu bieten.“ (s. Abb.) Zu
        Hellers nicht mehr gekommen.        op. 4 hieß es: „Die Melodien sind im
                                            Ganzen ansprechend und zugleich
        Heller wohnte bis 1856 mit seiner   in ihrer Verbindung wohl geordnet,
        Mutter, die kurz vor ihm starb, in   so dass dadurch das Interesse immer
        der Dresdner Amalienstraße 2. Die   rege erhalten wird.“, und zu op. 5:
        Berliner Musikzeitung erinnerte an   „Die Melodie hat eigenthümlichen
        ihn: „Ein talentvoller Tonkünstler   Reiz durch unerwartete pikante
        und Komponist hübscher Salonstü-    Wendungen, die aber doch zugleich
        cke.“ Die Didaskalia: Blätter für Geist,   so im Fluss, so natürlich erscheinen,
        Gemüth und Publizität in Frankfurt/  dass man fast vermuthen möchte,
        Main lobten an Hellers Kompositio-  der Componist habe sie wirklich auf
        nen die „Frische ihrer Melodie und   italischem Boden abgelauscht.“
        Vornehmheit des Styles“.

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