Page 126 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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nisse bei der Berufung von Geistli-
                                            chen und damit ein Kampf um die
                                            Neuordnung zwischen weltlicher und
                                            geistlicher Macht. Der Papst wollte
                                            die Dominanz der deutschen Reichs-
                                            kirche seit Karl dem Großen nicht
                                            mehr hinnehmen und stellte auch den
                                            Herrscha* sanspruch des deutschen
                                            Königs über Italien infrage. Unter-
                                            stützung erhielt er vom Hochadel, der
        Freigelegte Reste der Wiprechtsburg   sich vom König emanzipieren wollte.
        Groitzsch bei Leipzig. Foto: Rolo-l   Papst Gregor VII. konterte den Ab-
        (Wikimedia Commons), Lizenzen:      dankungsbefehl von Heinrich IV. mit
        CC BY-SA 3.0, GFDL                  dessen Bannung. Heinrich, dessen

        ten, deren Rundkapelle der älteste   Regentscha*  infrage stand, muss-
        Kirchenbau Sachsens ist. Er wurde   te sich beugen und 1077 den Gang
        von lokalen Adligen angefeindet, die   nach Canossa antreten. Nachdem der
        selbst die Grafscha*  beanspruchten,   zum Gegenkönig ausgerufene Rudolf
        und musste deshalb seinen Besitz von   von Rheinfelden getötet war, betei-
        1073 bis 1075 verlassen. Wiprecht   ligten sich Vratislav und Wiprecht
        schloss sich mit seinen Kriegern    am Rachefeldzug gegen den Papst.
        Böhmenherzog Vratislav an. Die      Wiprecht unterwarf 1081 an der
        Böhmen unterstützten König Hein-    Spitze eines 1000-köp% gen Ritterhee-
        rich IV. im Kampf für die Stärkung   res die Lombardei. Drei Jahre wurde
        der Zentralgewalt in Deutschland    Rom belagert, ehe Wiprecht nach der
        gegen abtrünnige Fürstenhäuser, zu   Überlieferung als Erster mit 24 Mann
        denen insbesondere auch die Sachsen   die Mauer erklommen haben soll.
        („Altsachsen“ zwischen Niederrhein   Als Dank für seine Hilfe im Kampf
        und Unterelbe) gehörten. Am 13. Juni  gegen Papst und deutschen Hochadel
        1075 besiegte die königliche Allianz   belehnte ihn der 1084 im Beisein Wi-
        in einer Schlacht an der Unstrut die   prechts zum Kaiser gekrönte Heinrich
        Sachsen. Zum Dank belehnte der      IV. mit Colditz, Grimma und Leisnig.
        König im Jahre 1076 Vratislav – gegen  Auch Geistliche der kaiserlichen Par-
        den abtrünnigen Egbert II. – mit der   tei wie die Bischöfe von Köln, Mainz,
        Mark Meißen. Wiprecht vermittelte   Halberstadt, Münster und Zeitz sowie
        wiederholt zwischen Heinrich IV. und  die Äbte von Fulda und Hersfeld
        Vratislav.                          belohnten ihn. Mit Wiprecht wurde
                                            dadurch ein Vertreter des niederen
        Im Jahre 1076 begann der Investitur-  Adels zu einem der mächtigsten Män-
        streit von König und Papst um Befug-  ner im östlichen Deutschland.

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