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Groitzsch, Wiprecht von
Markgraf von Meißen und der Niederlausitz, Herrscher der Oberlausitz
* um 1050 in der Altmark – 22.05.1124 Pegau
V: Gaugraf Wiprecht I. vom Balsamgau (* um 990, †29.4.1050); M: Sigena von Leinungen (* um
1025, †1110, in zweiter Ehe mit Friedrich I. von Pettendorf verheiratet, zuletzt dritte Äbtissin des
Klosters Vitzenburg); G: 2 Schwestern, u. a. Gisela (* um 1045); E: (1) 1084 Juditha von Böhmen
(*1066, †9.12.1108 Bautzen), (2) 1110 Kunigunde, Tochter des ehemaligen Markgrafen Otto I.
von Meißen und Witwe des Grafen Kuno von Beichlingen; K: Bertha (†16.5.1144, verheiratet
mit Graf Dedo von Wettin, 1136 Erbin der Herrscha* Groitzsch), Wiprecht der Jüngere (*1087,
†27.1.1116, verheiratet mit einer Stiefschwester), Heinrich (* um 1090, †31.12.1135 Mainz, ab
1124 Herrscher der Oberlausitz, ab 1131 als Heinrich III. Markgraf der Niederlausitz)
Wiprecht von Groitzsch war eine Wiprechts Großvater Wulf, ein sor-
vielgestaltige Persönlichkeit des bischer Adliger aus Pommern, hatte
Mittelalters. Er spielte in den politisch nach dem zwischenzeitlichen erneu-
bedeutsamen Auseinandersetzungen ten Vordringen der Slawen nach Wes-
zwischen Kaisertum und Papsttum ten nach dem Tod Kaiser Otto II. 983
eine wichtige Rolle. Während der in Rom Grundbesitz in der Altmark
deutschen Expansionsbewegung nach erlangt. Mit der Wiederherstellung
Osten bis in die Oberlausitz organi- der deutschen Vorherrscha* entlang
sierte er die Ansiedelung von Bauern der Elbe assimilierte sich die Familie
und Handwerkern, einhergehend mit und erhielt die Grafscha* des Balsam-
einer Christianisierung und Assimi- gaus. Nach dem Tod des Vaters wurde
lierung der Sorben. Die neuen Mark- Wiprecht von seinem Vormund Udo
grafscha* en waren he* ig umkämp* . von Stade, Markgraf der Nordmark,
Gleichzeitig versuchten die regionalen in Stade und Tangermünde erzogen.
Herrscher, sich gegenüber der deut- Udo, der eine Operationsbasis für
schen Zentralgewalt zu emanzipieren. geplante Eroberungen in Ostelbien
Gewalt, wechselnde Allianzen und benötigte, überzeugte ihn um 1070,
gezielte Heiraten trugen dazu bei, den die altmärkische Gaugrafscha* gegen
jeweiligen Herrscha* sanspruch aus- Güter im Süden von Leipzig einzu-
zudehnen. Dank guter Beziehungen tauschen. Sie befanden sich in einem
nach Böhmen erlangte Wiprecht für unruhigen, gleichzeitig aber chancen-
mehr als drei Jahrzehnte die Herr- reichen Gebiet in den Marken Zeitz
scha* über die Oberlausitz. Ausein- und Merseburg.
andersetzungen mit den Wettinern
endeten mit dem Niedergang seiner Wiprecht ließ auf seinem Besitz
Familie und dem Aufstieg der Wetti- Groitzsch eine neue Burg, erstmals als
ner zum Herrscherhaus Sachsens. mörtelgebundenen Steinbau, errich-
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