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vermutlich heutigen Ortscha* en wie Lossprechung vom Bann zu erlangen.
Oppach, Taubenheim, Spremberg Wegen der Zeitzer Kirchenschändung
und Ebersbach entsprachen, auch veranlasste ihn Papst Urban II., nach
wenn diese erst später urkundlich Santiago de Compostella an das Grab
ersterwähnt wurden. Eine massenhaf- des Apostels Jakobus, des Namens-
te Zuwanderung in die Oberlausitz patrons der zerstörten Kirche, zu
erfolgte aber erst nach Wiprechts wallfahren. Auf Verlangen des Papstes
Tod und dauerte bis in das folgende sti* ete Wiprecht auch das 1096
Jahrhundert an. geweihte Kloster Pegau. Das Kloster
und die Burg Groitzsch entwickelten
In zahlreichen Fehden festigte Wi- sich zu Zentren der Christianisierung
precht seine Herrscha* . Er ging dabei der Sorben. Als erstes Kloster östlich
äußerst brutal vor. In Zeitz verfolgte der Saale besaß Pegau zudem eine
er 1089 seine Feinde Vicelin von erhebliche Bedeutung als kulturelle
Profen und Hageno von Tubichin, die Institution mit Schule und Bibliothek.
ihn seinerzeit aus Groitzsch vertrie-
ben hatten. Sie standen inzwischen in Der Kriegsheld Wiprecht von
Verbindung mit den Bischöfen von Groitzsch erwies sich als Berater des
Merseburg und Naumburg-Zeitz, um böhmischen Herrscherhauses zu-
ihren Machtanspruch durchzusetzen. nehmend auch als vorausdenkender
Wiprecht tötete Videlin und 17 Mann. Staatsmann. Nach Vratislavs Tod 1092
Weil Hageno in der Jakobskirche folgte diesem zunächst ein Bruder,
Zeitz Zu# ucht gefunden hatte, ließ dann sein Sohn Břetislav II., ohne je-
er die Kirche abbrennen und dem doch den Königstitel wieder erlangen
Gegner beide Augen ausstechen. zu können. Wiprecht war an Kultur
Gegen solch barbarisches Tun, aber und der Verbreitung des Christen-
auch gegen Verschwendungssucht tums viel gelegen. Er ließ Kirchen und
und Machtgier, wie sie Heinrich IV. weitere Klöster wie in Lausigk, das er
nachgesagt wurden, richtete sich die dem päpstlichen Stuhl unmittelbar
Propagierung sittlicher Werte durch unterstellte, und Reinersdorf errich-
die Papstkirche, die zunehmende ten. Mit seiner wachsenden Religio-
Wirkung erzielte. Frömmigkeit und sität entfremdete sich Wiprecht von
Buße als Voraussetzung des ewigen Heinrich IV. Er schloss sich dessen
Seelenheils bestimmten das Denken Sohn Heinrich V. im Kampf gegen
auch vieler weltlicher Herrscher zur- den erneut gebannten Vater an. Der
zeit der 1096 beginnenden Kreuzzüge. Sohn hatte erkannt, dass im Reich ein
Bischöfen der päpstlichen Partei in weitverbreiteter Wunsch nach Aus-
Magdeburg und Merseburg gelang söhnung mit dem Papst im Investitur-
es, Wiprecht 1090 zu einer Pilger- streit bestand. Zudem fürchtete er um
fahrt nach Rom zu bewegen, um die seine / ronfolge, zu der es sowieso
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