Page 129 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 129

vermutlich heutigen Ortscha* en wie   Lossprechung vom Bann zu erlangen.
        Oppach, Taubenheim, Spremberg       Wegen der Zeitzer Kirchenschändung
        und Ebersbach entsprachen, auch     veranlasste ihn Papst Urban II., nach
        wenn diese erst später urkundlich   Santiago de Compostella an das Grab
        ersterwähnt wurden. Eine massenhaf-  des Apostels Jakobus, des Namens-
        te Zuwanderung in die Oberlausitz   patrons der zerstörten Kirche, zu
        erfolgte aber erst nach Wiprechts   wallfahren. Auf Verlangen des Papstes
        Tod und dauerte bis in das folgende   sti* ete Wiprecht auch das 1096
        Jahrhundert an.                     geweihte Kloster Pegau. Das Kloster
                                            und die Burg Groitzsch entwickelten
        In zahlreichen Fehden festigte Wi-  sich zu Zentren der Christianisierung
        precht seine Herrscha* . Er ging dabei   der Sorben. Als erstes Kloster östlich
        äußerst brutal vor. In Zeitz verfolgte   der Saale besaß Pegau zudem eine
        er 1089 seine Feinde Vicelin von    erhebliche Bedeutung als kulturelle
        Profen und Hageno von Tubichin, die   Institution mit Schule und Bibliothek.
        ihn seinerzeit aus Groitzsch vertrie-
        ben hatten. Sie standen inzwischen in   Der Kriegsheld Wiprecht von
        Verbindung mit den Bischöfen von    Groitzsch erwies sich als Berater des
        Merseburg und Naumburg-Zeitz, um    böhmischen Herrscherhauses zu-
        ihren Machtanspruch durchzusetzen.   nehmend auch als vorausdenkender
        Wiprecht tötete Videlin und 17 Mann.  Staatsmann. Nach Vratislavs Tod 1092
        Weil Hageno in der Jakobskirche     folgte diesem zunächst ein Bruder,
        Zeitz Zu# ucht gefunden hatte, ließ   dann sein Sohn Břetislav II., ohne je-
        er die Kirche abbrennen und dem     doch den Königstitel wieder erlangen
        Gegner beide Augen ausstechen.      zu können. Wiprecht war an Kultur
        Gegen solch barbarisches Tun, aber   und der Verbreitung des Christen-
        auch gegen Verschwendungssucht      tums viel gelegen. Er ließ Kirchen und
        und Machtgier, wie sie Heinrich IV.   weitere Klöster wie in Lausigk, das er
        nachgesagt wurden, richtete sich die   dem päpstlichen Stuhl unmittelbar
        Propagierung sittlicher Werte durch   unterstellte, und Reinersdorf errich-
        die Papstkirche, die zunehmende     ten. Mit seiner wachsenden Religio-
        Wirkung erzielte. Frömmigkeit und   sität entfremdete sich Wiprecht von
        Buße als Voraussetzung des ewigen   Heinrich IV. Er schloss sich dessen
        Seelenheils bestimmten das Denken   Sohn Heinrich V. im Kampf gegen
        auch vieler weltlicher Herrscher zur-  den erneut gebannten Vater an. Der
        zeit der 1096 beginnenden Kreuzzüge.  Sohn hatte erkannt, dass im Reich ein
        Bischöfen der päpstlichen Partei in   weitverbreiteter Wunsch nach Aus-
        Magdeburg und Merseburg gelang      söhnung mit dem Papst im Investitur-
        es, Wiprecht 1090 zu einer Pilger-  streit bestand. Zudem fürchtete er um
        fahrt nach Rom zu bewegen, um die   seine /  ronfolge, zu der es sowieso

                                                                           129
   124   125   126   127   128   129   130   131   132   133   134