Page 130 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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nach Böhmen wieder an den Rhein
                                            in die Hände des Sohnes führte. Als
                                            Gesandter der Mainzer Fürsten-
                                            versammlung und von Heinrich V.
                                            erpresste Wiprecht vom gefangenen
                                            Heinrich IV. zu Böckelheim 1105 die
                                            Herausgabe der Reichsinsignien. Er
                                            gehörte zu den Gesandten um den Bi-
                                            schof von Konstanz, die Papst Pascha-
                                            lis zur Kaiserkrönung von Heinrich V.
                                            einladen sollten, wobei Wiprecht aber
                                            unterwegs durch Kaisertreue festge-
                                            setzt und erst nach Fürsprache des
                                            Bischofs von Bamberg freigelassen
                                            wurde. Mit dem Tod des Markgra-
                                            fen der Nordmark, Lothar Udo III.,
                                            erledigten sich die Markgrafscha* en
                                            Zeitz und Merseburg und Wiprecht
                                            wurde zu einem bedeutenden Gegen-
                                            gewicht gegen die dortigen Bischöfe.

                                            Aber auch mit Heinrich V. kam es
                                            zum Kon# ikt, als jener in böhmische
        Mit seinem Verrat unterstützte      Erbfolgestreitigkeiten gegen Wi–
        Wiprecht von Groitzsch die Macht-   prechts Verwandtscha*  eingri+ , um
        übernahme durch Heinrich V. (im     den deutschen Ein# uss zu stärken. Es
        Bild rechts bei der Übergabe der    war ursprünglich vorgesehen, dass die
        Reichsinsignien von seinem Vater,   böhmische Regentscha*  jeweils an
        Heinrich IV.). Das Ereignis stellte   den Ältesten aus der Familie um Vra-
        einen Meilenstein beim Niedergang   tislav und seine Brüder gehen sollte.
        von Macht und Ansehen des mittel-   Břetislav II., Sohn Vratislavs, gelang
        alterlichen deutschen Kaiserreichs   es dagegen, seinen Bruder Bořivoj II.
        dar.                                als seinen Nachfolger durchzusetzen.
        nur kommen konnte, weil sein Vater   Dessen Macht wurde mehrfach durch
        den ältesten Sohn wegen Parteinahme   Nachfahren der Brüder Vratislavs in-
        für den Papst abgesetzt hatte. Auch   frage gestellt, die sich dafür mit Hein-
        Heinrich V., seit 1099 König, verbün-  rich V. verbündeten. Wiprecht, der
        dete sich mit der päpstlichen Partei   mit Bořivoj schon in Italien gekämp*
        gegen den Vater. Wiprecht war es, der   hatte, sandte seinen Sohn Wiprecht
        Heinrich IV. aus dem sicheren Geleit   den Jüngeren zu Hilfe. Der kam aber

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