Page 121 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Reklamemarken und Postkarten. Auf
        der Dresdner Jahresausstellung „Das
        Papier“ 1927 führte er ein Schat-
        tenspiel vor. Sein „Volkstümliches
        Schattenspiel-/  eater“ präsentierte
        Goller regelmäßig im Kunstsalon
        „Kühl und Kühn“. In seinen späten
        Dresdner Jahren ist er mehrfach mit
        Ölgemälden auf akademischen Kunst-
        ausstellungen hervorgetreten.

        In der Oberlausitz entwarf Goller
        Kirchenfenster in Königswartha und
        Seitendorf, das Mosaik über dem
        Eingangsportal der Christuskirche
        Bischofswerda und Glasfenster für
        die Sy nagoge Görlitz (mit William   In den Königswarthaer Kirchen-
        Lossow). Die Fenster der Kirche     fenstern mit Petrus und Paulus und
        Schmeckwitz wurden nach Entwürfen   den vier Evangelisten wird Gollers
        von Woldemar Kandler durch Urban    dekoratives Talent deutlich. Dabei
        & Goller realisiert. Goller illustrierte   ergänzten sich sein feines stilisti-
        zudem in Alfred Moschkau: „Ritter-  sches Gefühl und eine sichere Farb-
        burg und Kloster Oybin im Zittauer   gebung. Goller war nicht nur ein
        Gebirge. Deren Beschreibung, Ge-    gesuchter Glasmaler bei repräsenta-
        schichte und Sagen“ (1905).         tiven Neubauten wie der Lutherkir-
                                            che Radebeul (1892), dem Kaiserpa-
        An der Dresdner Kunstgewerbe-       last Dresden (1897) und dem Neuen
        schule unter dem Direktor Carl      Rathaus Chemnitz (1911), sondern
        Ludwig /  eodor Gra+  unterrichtete   auch dort, wo es darum ging, die
        Goller von 1900 bis 1901 zunächst   Fenster in ein bestehendes histori-
        Abendklassen. Das Angebot dieser    sches Ensemble stilgerecht einzufü-
        Abendklassen richtete sich vorrangig   gen wie in den Kirchen Johanngeor-
        an junge Handwerker und umfasste    genstadt und Königswartha.
        Architektur, Modellieren, Zeichnen
        und Malen. Nach dem Neubau der      klassen Glasmalerei (Schüler waren
        Kunstgewerbeschule an der Elias-    Otto Griebel, Oskar Fritz Beier) sowie
        straße (heutige Güntzstraße) lehrte   Plakatentwurf (Otto Dix, Georg Karl
        Goller unter William Lossow ab 1906   Heinicke aus Bautzen, Kurt Fiedler).
        (ab 1908 als Professor) in der Nach-  Die Kunstgewerbeschule Dresden
        folge von Otto Rennert in den Tages-  begleitete seit 1875 die Industrialisie-

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