Page 118 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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gestaltungen. Karl Schmidt gewann
                                            ihn 1898 als künstlerischen Mitarbei-
                                            ter seiner damaligen Firma „Dresdner
                                            Werkstätten für Handwerkskunst
                                            Schmidt und Engelbrecht“ in Laube-
                                            gast. Goller stand in enger Beziehung
                                            zu Gra% kern wie Johann Vincenz
                                            Cissarz, der ebenfalls au* ragsbezogen
        „Der p/ ügende Bauer“ im Rathaus    für Schmidt arbeitete. Mit dem Auf-
        Radebeul. Foto: Der Naundorfer      schwung des Plakatwesens in Dresden
        (Wikimedia Commons, CC BY-SA        für Reklame und Information wa-
        4.0, Ausschnitt)                    ren Plakatgestalter gesucht. Sowohl
                                            Cissarz als auch Goller arbeiteten
        den unter Federführung von Bruno    für die Lithographische Anstalt von
        Urban, der aus dieser Stadt stammte.   /  eodor Beyer. 1902 gehörte Goller
        Auch vier Fenster im Standesamts-   zu den Gründern der Gruppe „Die
        saal des Nürnberger Rathauses sowie   Elbier“ um Gotthardt Kuehl, Leiter
        Kirchenfenster in Johanngeorgenstadt  des Ateliers für Genremalerei an der
        entstanden in jener Zeit. In Zusam-  Kunstakademie und ein Wegbereiter
        menarbeit mit den Architekten Schil-  des Impressionismus in Dresden. Von
        ling & Graebner schufen Urban &     Goller stammte das Wahrzeichen der
        Goller das Kolossalfenster im Vestibül  „Elbier“, ein Schi+  auf bewegten Wo-
        und weitere Fenster des Kaiserpalas-  gen. Die „Elbier“ standen im Unter-
        tes in Dresden sowie das Glasgemälde  schied zum au¤  ommenden Expres-
        für den Altar der protestantischen   sionismus jener Zeit („Die Brücke“)
        Kirche in Dux. Für die wegweisende   nicht für experimentelle Malerei. Sie
        I. Internationale Kunstausstellung   verbanden solide Technik mit hei-
        im Ausstellungspalast, die 1897 den   matlichen Motiven aus der Natur und
        Jugendstil nach Dresden brachte (vgl.   zeigten Menschen im Alltag.
        OX~?@ S`qK>|_=@), entwarf Gol-
        ler das Glasgemälde „Tänzerin“, für   Für die 3. Deutsche Kunstgewer-
        die Deutsche Kunstausstellung 1899   beausstellung 1906 in Dresden schuf
        Fenster für ein Treppenhaus von Max   Goller für mehrere Ausstellungsräu-
        Rose. Ab 1901 arbeitete Goller als   me farbige Glasfenster mit Bezügen
        Glasmaler unabhängig.               zu den Exponaten, beispielsweise für
                                            das Wohnzimmer von Fritz Schu-
        Goller galt schon früh als genialer   macher im Sächsischen Haus, für
        Zeichner. Er machte sich einen Na-  die Friedhofskapelle von Max Hans
        men mit karikaturistischen Plaka t en   Kühne und die Bibliothek von Wil-
        und entwarf dekorative Innenraum-   helm Kreis. Diese Ausstellung gab den

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