Page 61 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 61

Anna Amalia. Auch für Literatur und
        /  eater entwickelte er eine große
        Leidenscha* . Böttiger zählte bekannte
        Gelehrte, darunter G]^^_]{ A|]_€
        E@>X^ <]> N]X^K^™ T>| Jš>‚=>-
        |]@€, zu seinen Gästen. Zunächst
        bestand auch ein gutes Verhältnis zu
        Johann Wolfgang von Goethe, den
        er in Fragen des Altertums beriet.
        Dank seines umfangreichen Brief-
        wechsels und der Publikationen in
        einer Vielzahl von Zeitschri* en,
        wie in dem von ihm von 1795 bis
        1803 herausgegebenen „Journal des
        Luxus und der Moden“, gilt Böttiger
        heute als Chronist des Weimar von
        Goethe und Schiller („Literarische   Szene aus Böttigers wichtigstem
        Zustände und Zeitgenossen“, Dresden   Werk aus seiner Weimarer Zeit:
        1838). Er schrieb alles auf, was ihm   „Sabina oder Morgenszenen im
        an menschlichen Schwächen und       Putzzimmer einer reichen Römerin.
        sozialen Ungerechtigkeiten begegne-  Ein Beytrag zur richtigen Beurthei-
        te – ohne Ansehen der Person und    lung des Privatlebens der Römer
        ohne Rücksicht auf Vertraulichkeiten.   und zum bessern Verständniß der
        Teilweise verbarg er die Kritiken in   römischen Schri+ steller“ (1803).
        einem historischen Gewand. So kam   Mit seinen vielen Schri+ en zum Al-
        es zum Streit mit Goethe, der in ihm   tertum erlangte Böttiger seinerzeit
        nun den „Böttiger‘schen Kobold“ sah,   große Bekanntheit. Er trug damit
        und mit Friedrich Schiller, der ihn   wesentlich zur Popularisierung der
        „Magister Ubique“ nannte. Schiller   Altertumswissenscha+ en bei. Schon
        warf Böttiger vor allem die unautori-  zeitgenössische Kritiken beklagten
        sierte Weitergabe des Manuskripts zu   jedoch, dass seinen vorrangig der
        „Wallenstein“ vor. Böttigers Gegen-  mythologischen Auslegung anti-
        spieler Ludwig Tieck karikierte ihn in   ker Kunstwerke und dem antiken
        „Der gestiefelte Kater“ (1797) in der   Alltagsleben gewidmeten Schri+ en
        Figur des Literaturkritikers Bötticher.   die wissenscha+ liche Tiefe fehle. Be-
        Befreundet war Böttiger mit Chris-  kannte Werke aus Böttigers Dresd-
        toph Martin Wieland, dessen „Teut-  ner Zeit zu dieser %  ematik waren
        schen Merkur“ er von 1797 bis 1809   „Ideen zur Archäologie der Malerei“
        herausbrachte.                      (1811) und „Ideen zur Kunst-My-
                                            thologie“ (1826/1836).

                                                                            61
   56   57   58   59   60   61   62   63   64   65   66