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weltlichen Adel dar. Diese Funktion König 1010 absetzte. 1013 erkannte
und ihre missionarische Tätigkeit in Bolesław im Frieden von Merseburg
von Sorben besiedeltem Gebiet konn- die Lehnshoheit von Heinrich II.
ten die Bischöfe am besten verbinden, zwar formal an, faktisch musste der
wenn ihr Besitz bis in die Nähe von deutsche König aber die lausitzischen
Bautzen, dem Hauptort von Milska, Eroberungen zuzüglich Milska der
reichte. Es ist zu vermuten, dass dieser Polen akzeptieren. Ihr Verhältnis
bischö# iche Besitz während der pol- blieb kon# iktträchtig. Ein Feldzug
nischen Besatzung von Milska zumin- Bolesławs nach Kiew zur Befreiung
dest infrage stand. Die Lokalisierung seines Schwiegersohns Svyatopolk,
des Kastells und späteren Burgwards eines Stiefsohns des Kiewer Großfürs-
Trebista innerhalb von Milska ist für ten, scheiterte. Dem König verwei-
das Verständnis der Ostsiedlung in gerte er die Gefolgscha* auf dem Zug
Sachsen von großer Bedeutung. Lange nach Rom, seinen Lehnsverp# ichtun-
vermutete man Großdrebnitz bei gen kam er nicht nach und auch die
Bischofswerda wegen der scheinbaren geforderte Unterwerfung blieb aus.
sprachlichen Ähnlichkeit als heutige Heinrich, inzwischen Kaiser, hielt
Ortscha* . Seit etwa 100 Jahren wird Mieszko II., Bolesławs Sohn, zeitweise
nach einer Untersuchung des 1241 gefangen. Der deutsche Feldzug 1015
beurkundeten Grenzverlaufs zwi- bis zur Oder wurde durch die Polen
schen der damals böhmischen Ober- abgewehrt, die ihrerseits unter Miesz-
lausitz und den Gebieten der Meißner ko II. Meißen angri+ en und die von
Bischöfe Doberschau favorisiert und Hermann I. verteidigte Burg teilweise
heute gilt Bischofswerda als ein mög- zerstörten. Den Brand löschten die
licher Kandidat. Verteidiger mit Bier (Ersterwähnung
von Bier in Sachsen). Bischof Eido I.
Die meißnische Verwandtscha* von von Meißen, dem Bolesław die Ber-
Bolesław spielte in jener Zeit eine gung und Bestattung der Leichen der
zwiespältige Rolle. Schwiegersohn vorangegangenen Schlacht gestattet
Hermann I. regierte im Au* rag des hatte, wollte Heinrich II. Bericht
deutschen Königs bis zur polnischen erstatten, starb jedoch auf der Reise
Rückeroberung 1007 die Oberlausitz, in Leipzig (Ersterwähnung der Stadt
versuchte aber häu% g zu vermitteln. Leipzig). Zu jener Zeit war in Meißen
Hermann I. Markgraf, bis zum Tod
In den folgenden kriegerischen seiner Frau Reglindis im Jahre 1016
Ausein andersetzungen mit Hein- Bolesławs Schwiegersohn. Neuer
rich II. besetzte Bolesław erneut die Bischof wurde mit Eilward ein Bruder
verlorenen Gebiete. Markgraf Gun- Hermann I.
zelin wurde nachgesagt, mit Bolesław
zu paktieren, weswegen ihn der
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