Page 52 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Schri* gut zu verbrennen. Um 995    eigenständigen polnischen National-
        führte er die ersten polnischen Mün-  kirche, die unabhängig von Deutsch-
        zen ein.                            land direkt dem Papst unterstellt war.

        Das polnische Territorium war kir-  1002 unterstützte Bolesław den Meiß-
        chenpolitisch umstritten. Das unter   ner Ekkehard I. beim Versuch, die
        Boleslav II. entstandene Bistum Prag   Nachfolge des verstorbenen Kaisers
        umfasste auch Breslau und Kra-      Otto III. anzutreten. Er wurde durch
        kau. Ein Vorschlag aus dem Bistum   die Furcht angetrieben, dass sich die
        Meißen, für Teile von Böhmen und    Deutschen erneut mit den Böhmen
        Schlesien eine eigene Diözese einzu-  gegen Polen verbünden und jene
        richten, scheiterte. Gegen die deut-  Schlesien und Krakau zurückfordern
        schen Kirchenfürsten entschied Otto   könnten. Nach Ekkehards Ermordung
        III., die zu Deutschland benachbarten   eroberte Bolesław mit Unterstützung
        Gebiete nicht zu integrieren, son-  von dessen Gefolgsleuten Meißen und
        dern zu Verbündeten aufzubauen, als   die Lausitz. Die oƒ  zielle Markgra-
        Vorposten zum Schutz des Reiches.   fenwürde in Meißen erhielt jedoch
        Bolesław erkannte die sich daraus   Ekkehards Bruder Gunzelin. Um die
        für ihn ergebenden Möglichkeiten.   bereits bestehenden, engen familiären
        Er löste die Reliquien des Prager   Beziehungen mit Meißen zu festigen,
        Bischofs Adalbert von den baltischen   verheiratete Bolesław im Jahre 1002
        Prußen aus, die jener mit Unterstüt-  seine Tochter Reglindis mit Hermann
        zung Bolesławs hatte missionieren   I., einem Sohn von Ekkehard I.
        wollen, und begrub sie in Gniezno.
        Anlässlich der Wallfahrt von Otto III.,  Um Bolesław zu besän* igen, be-
        der zu den Anhängern des inzwischen  lehnte ihn der neue deutsche König,
        heiliggesprochenen Adalberts gehör-  Heinrich II., mit der Markgrafscha*
        te, im März 1000 erkannte der Kaiser   Lausitz (Niederlausitz) und dem Gau
        Bolesław als souveränen Herrscher   Milska, der dadurch praktisch von der
        Polens an. Bei dieser Gelegenheit   Mark Meißen abgetrennt wurde. Ein
        wurde vermutlich auch die spätere   Attentat gegen den Polen anlässlich
        Eheschließung von Bolesławs /  ron-  der Huldigung des Königs in Merse-
        folger Mieszko II. mit einer Nichte   burg im Jahre 1002 hatte Zwietracht
        von Otto beschlossen, und Bolesław   zwischen Heinrich II. und Bolesław
        tau* e seinen jüngsten Sohn auf den   gesät. Mit der Brandschatzung der
        Namen Otto. Papst Sylvester II. ge-  Burg Strehla erö+ nete Bolesław oƒ  -
        währte Polen eine eigene Erzdiözese   ziell den Streit. Der Kon# ikt spitzte
        mit Sitz in Gniezno, wobei Breslau ei-  sich zu, als Bolesław 1002 und 1003
        nen Bischofssitz erhielt. Damit wurde   in die böhmische /  ronfolge eingri+ ,
        Bolesław zum Gründungsvater einer   zunächst seinen vermutlichen Bruder

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