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Vorbildung für die Universität. Es insbesondere Kritiken nicht mehr,
herrschte jedoch akuter Lehrerman- dass Siebelis‘ strikte Orientierung am
gel. 1826 wurden von 6 Lehrern in klassischen Humanismus vermeint-
4 Klassen 270 Schüler unterrichtet, lich zulasten der deutschen Sprache
wovon innerhalb eines Jahres 36 auf und praktischer Ausbildung ginge.
die Universität gingen. Ab 1827 konn- Im Jahre 1835 gelang es Siebelis, das
te Siebelis – nachdem das Bautzener Gymnasium zeitgemäß umzuorgani-
Gymnasium neben kommunaler auch sieren: In diesem Rahmen wurde die
staatliche Unterstützung erhielt – Prima in drei Klassen aufgeteilt. Sie
schrittweise den Lehrkörper erwei- bildeten zusammen mit der ehema-
tern. ligen zweiten Klasse das eigentliche
Gymnasium; die neuen Quinta und
Seit 1826 war Siebelis Mitglied der Sexta bildeten das Progymnasium.
Oberlausitzischen Gesellscha* der Katholische und protestantische
Wissenscha* en. Außerdem berief Schüler lernten bei ihm in Eintracht
ihn die Lateinische Gesellscha* zu und Siebelis versuchte, seine Schüler
Jena zum Ehrenmitglied. Im Jahre für das Sammeln sorbischer Kostbar-
1829 gründete er anlässlich seines keiten (Volkslieder, Märchen, Sagen,
25-jährigen Amtsjubiläums die Sprichwörter) zu begeistern. 1832
Sti* ung des „Stipendiums Siebeli- hatte er den sorbischen Sprachunter-
sianum“, das bis weit nach seinem richt eingeführt und 1839 gestattete er
Tode einem Primaner für die beste die Gründung des Vereins „Societas
prosaische oder poetische Behand- Slavica Budissinensis“ zur P# ege der
lung eines gegebenen / emas in sorbischen Sprache und Kultur.
lateinischer Sprache gewährt wurde.
Zum Amtsjubiläum erhielt Siebelis Regelmäßig zu Ostern publizierte
u. a. eine von Hofgraveur Reinhard Siebelis seine Schulschri* en, in denen
Krüger gescha+ ene Medaille. Nicht er das Programm des Bautzener
immer wurde er aber so geehrt: Als Gymnasiums darlegte. Hierin gab er
es darum ging, einen Teil der Sti* ung wissenscha* lichen Diskussionen den
von Gregorius Mättig für die Grün- Vorrang vor Selbstdarstellung. Sein
dung einer Bürgerschule in Bautzen ehemaliger Schüler R]{=@^ H=__=@
zu verwenden, zog sich Siebelis vermerkte dazu: „Die Ehre seiner
breiten Unwillen zu. Er beschwerte Schule, der sittliche Wohlstand und
sich erfolgreich beim König, dass dies der wissenscha* liche Fortschritt
nicht den Statuten der Mättig-Sti* ung seiner Zöglinge ging ihm über alles“.
entspräche, die nur die Förderung der Siebelis zeichnete eine breite Gelehr-
hiesigen evangelischen Schule, inzwi- samkeit aus, und er war ein bedeu-
schen zum Gymnasium geworden, tender Kritiker und Erklärer des
vorsähe. Seit jener Zeit verstimmten Altertums. Insgesamt gehen auf ihn
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