Page 303 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 303

Vorbildung für die Universität. Es   insbesondere Kritiken nicht mehr,
        herrschte jedoch akuter Lehrerman-  dass Siebelis‘ strikte Orientierung am
        gel. 1826 wurden von 6 Lehrern in   klassischen Humanismus vermeint-
        4 Klassen 270 Schüler unterrichtet,   lich zulasten der deutschen Sprache
        wovon innerhalb eines Jahres 36 auf   und praktischer Ausbildung ginge.
        die Universität gingen. Ab 1827 konn-  Im Jahre 1835 gelang es Siebelis, das
        te Siebelis – nachdem das Bautzener   Gymnasium zeitgemäß umzuorgani-
        Gymnasium neben kommunaler auch  sieren: In diesem Rahmen wurde die
        staatliche Unterstützung erhielt –   Prima in drei Klassen aufgeteilt. Sie
        schrittweise den Lehrkörper erwei-  bildeten zusammen mit der ehema-
        tern.                               ligen zweiten Klasse das eigentliche
                                            Gymnasium; die neuen Quinta und
        Seit 1826 war Siebelis Mitglied der   Sexta bildeten das Progymnasium.
        Oberlausitzischen Gesellscha*  der   Katholische und protestantische
        Wissenscha* en. Außerdem berief     Schüler lernten bei ihm in Eintracht
        ihn die Lateinische Gesellscha*  zu   und Siebelis versuchte, seine Schüler
        Jena zum Ehrenmitglied. Im Jahre    für das Sammeln sorbischer Kostbar-
        1829 gründete er anlässlich seines   keiten (Volkslieder, Märchen, Sagen,
        25-jährigen Amtsjubiläums die       Sprichwörter) zu begeistern. 1832
        Sti* ung des „Stipendiums Siebeli-  hatte er den sorbischen Sprachunter-
        sianum“, das bis weit nach seinem   richt eingeführt und 1839 gestattete er
        Tode einem Primaner für die beste   die Gründung des Vereins „Societas
        prosaische oder poetische Behand-   Slavica Budissinensis“ zur P# ege der
        lung eines gegebenen /  emas in     sorbischen Sprache und Kultur.
        lateinischer Sprache gewährt wurde.
        Zum Amtsjubiläum erhielt Siebelis   Regelmäßig zu Ostern publizierte
        u. a. eine von Hofgraveur Reinhard   Siebelis seine Schulschri* en, in denen
        Krüger gescha+ ene Medaille. Nicht   er das Programm des Bautzener
        immer wurde er aber so geehrt: Als   Gymnasiums darlegte. Hierin gab er
        es darum ging, einen Teil der Sti* ung   wissenscha* lichen Diskussionen den
        von Gregorius Mättig für die Grün-  Vorrang vor Selbstdarstellung. Sein
        dung einer Bürgerschule in Bautzen   ehemaliger Schüler R]{=@^ H=__=@
        zu verwenden, zog sich Siebelis     vermerkte dazu: „Die Ehre seiner
        breiten Unwillen zu. Er beschwerte   Schule, der sittliche Wohlstand und
        sich erfolgreich beim König, dass dies   der wissenscha* liche Fortschritt
        nicht den Statuten der Mättig-Sti* ung  seiner Zöglinge ging ihm über alles“.
        entspräche, die nur die Förderung der   Siebelis zeichnete eine breite Gelehr-
        hiesigen evangelischen Schule, inzwi-  samkeit aus, und er war ein bedeu-
        schen zum Gymnasium geworden,       tender Kritiker und Erklärer des
        vorsähe. Seit jener Zeit verstimmten   Altertums. Insgesamt gehen auf ihn

                                                                           303
   298   299   300   301   302   303   304   305   306   307   308