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Produktion der Zeitung in der Löbau- Christoph Arnold verwickelt waren.
er Zweigstelle von Richters eigenem Verschiedene Anwartscha* en wurden
Druckhaus in Görlitz erfolgte. Mit für den Fall des Ablebens oder des
seinem erweiterten Zeitungskonzept Wegzugs der Witwe Richter zugesagt.
hatte Richter das Anzeigenblatt zum Gültig blieb jene für Breitkopf, der
Mittelpunkt des geistigen Lebens in den Anzeiger inzwischen druckte und
Dresden gemacht. Mit Beginn des der die Anwartscha* 1790 zusammen
Siebenjährigen Krieges 1756 stand mit Buchhandlungen in Dresden,
er vor einer neuen Herausforderung. Görlitz und Bautzen (Drachstedt)
Wechselnde Besatzungsmächte be- an Carl Christian Richter weiterver-
dienten sich der Zeitung für ihre Ver- äußerte. Mit dem Tod von Richters
lautbarungen, Friedenssehnsucht und Witwe trat die Option in Kra* , wobei
Kriegsberichterstattung musste Raum dies Carl Christian Richter nicht
gegeben werden. Richter rief in seinen mehr erlebte. Johann August Tode,
Gedichten göttliche Hilfe gegen die ein Verwandter der Witwe Siegmund
Schrecken des Krieges an. Durch den Ehrenfried Richters, wurde mit der
Beschuss mit Kanonen während der Administration beau* ragt. Aber erst
Belagerung Dresdens durch preußi- mit dem Verkauf im Jahre 1837 durch
sche Truppen im Jahre 1760 wurde Carl Christian Richters Enkelin,
auch das Domizil von Richters Zei- der Freiin von Schlichten, an Justus
tung in der Landhausstraße zerstört, Friedrich Güntz für 17.000 Taler kam
die darau in auf das Areal der spä- die inzwischen „Dresdner Anzeiger“
teren Kunstakademie zog. Nachdem genannte Zeitung in ruhigere Bah-
sich die Lage etwas beruhigt hatte, nen. Nach Güntz‘ Sti* ung im Jahre
dokumentierte man den Ablauf der 1856 ging der Anzeiger in städtischen
Kamp andlungen und deren Folgen Besitz über und die Erträge wurden
ausführlich. Den Hubertusburger fast 100 Jahre lang für die Wohlfahrt
Friedensschluss von 1763 hat Richter und die Verschönerung Dresdens
nicht mehr erlebt. Wenige Tage nach eingesetzt. Richters großer Verdienst
seinem Tod wandte sich die Witwe bestand darin, die Zeitung zu einem
an den Hof mit dem Appell, ihr das wirtscha* lich gesunden Unterneh-
Anzeigerprivileg zu übertragen, auch men geführt zu haben.
im Hinblick auf die wirtscha* lichen
Folgen des anhaltenden Krieges. Quellen: J. Braun: „Richter, Andreas“. Allgemeine
Deutsche Biographie, Bd. 28, 1889, S. 446–447;
Dem Gesuch wurde am 23. Juni 1762 Herbert Zeißig: „Eine deutsche Zeitung. Zwei-
stattgegeben. Damit begann eine Zeit hundert Jahre Dresdner Anzeiger“. Verlag der Dr.
he* iger Auseinandersetzungen, in die Güntzschen Sti* ung, 1930; Gottlieb Friedrich Otto:
„Lexikon der seit dem 15. Jahrhundert verstorbenen
auch renommierte Druck- und Ver- und jetztlebenden Oberlausizischen Schri* steller
lagshäuser wie die von Johann Gott- und Künstler“. Görlitz, 1800 + .; Christian Friedrich
Gessner u. a.: „Der so nöthig als nützliche Buchdru-
lob Immanuel Breitkopf und Johann ckerkunst und Schri* giesserey“. 1741
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