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Petermann wurde 1747 zum Prediger   bestand zwischen Petermann und
        der böhmischen und deutschen        Johann Christian Schlipalius, 1746
        Gemeinde der Johanniskirche in      Katechet und Mittagsprediger an der
        Dresden berufen. Die Kirche („die   Frauenkirche, 1754 Prediger an der
        Böhmische“) befand sich in der Nähe   Sophienkirche und 1756 Prediger an
        des Pirnaischen Tores am Stadtrand   der Kreuzkirche in Dresden.
        des alten Dresdens und war seit 1650
        nach einer Sti* ung von Kurfürst Jo-  Zur damaligen Zeit war der Kirchhof
        hann Georg I. Heimstatt der ab 1620   der Johanniskirche die bevorzugte
        massenha*  aus Böhmen ge# üchteten   Begräbnisstätte des Dresdner Bürger-
        Protestanten. Auch hier war Peter-  tums. Die Begräbnisse wurden jedoch
        mann wegen seines Pietismus nicht   zumeist nicht von den Pfarrern der
        unumstritten. Schon seine Wahl wur-  Johanniskirche durchgeführt, de-
        de von he* igen Auseinandersetzun-  nen die Kirchenleitung Calvinismus
        gen überschattet. Den ursprünglichen   unterstellte, sondern von der Stadt-
        Kandidaten des Oberkonsistoriums,   geistlichkeit. 1752 fand hier Johann
        Interimspfarrer Wenceslaus Grego-   Christoph Knö+ el, Architekt der
        rius, lehnte die Gemeinde ab. Auf   Brühlschen Terrasse und des Barock-
        Drängen von August III.  kam es zu   schlosses Rammenau, die letzte Ruhe,
        einer Kampfabstimmung, bei der sich   1753 der Orgelbauer Gottfried Silber-
        Petermann klar gegen Georg Körner   mann und 1762 der Zeitungspionier
        durchsetzte. Das Oberkonsistorium   Johann Christian Crell.
        hatte skeptische Gemeindemitglieder
        beschwichtigt, bei diesem Petermann   Der Siebenjährige Krieg bis 1763
        handele es sich nicht um jenen in   stellte die böhmische Gemeinde in
        Gebhardsdorf und Zibelle missliebig   Dresden vor große Probleme. Das
        aufgefallenen, bezüglich Gebhards-  Pfarrhaus war abgebrannt, Kirchenge-
        dorf o+ enbar fälschlicherweise. Viele   räte und Geldspenden aus Hamburg
        Mitglieder verließen die Johannisge-  gingen verloren. Kollekten in Regens-
        meinde, aber Petermann konnte auch   burg und Lübeck, Beiträge des Ober-
        viele ein# ussreiche Persönlichkeiten   konsistoriums, aber auch Spenden der
        als Besucher seiner Gottesdienste   deutschen Gemeinde, bei der Peter-
        und als Spender gewinnen, was das   mann sehr angesehen war, machten
        Überleben und den weiteren Ausbau   den Wiederau&  au des Pfarrhauses
        der Gemeinde sicherte. 1756 gründete  1770 möglich. Petermann blieb bis
        die böhmische Gemeinde in Dresden-  zum Schluss mit den Francke‘schen
        Neustadt die Neidesche Sti* sschule,   Sti* ungen in Halle eng verbunden
        zusätzlich zu einer in der Pirnai-  und sammelte z. B. Spenden für die
        schen Gasse betriebenen Schule.     Missionen in Indien und Nordame-
        Ein persönlich gutes Einvernehmen   rika.

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