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als Pfarrer in Uhyst/Spree an. 1741
und so kam es zum Bruch mit ihren holte ihn Kabinettsminister Erdmann
Böhmen. Nachdem der preußische Graf von Promnitz als Archidiakon in
König die Großhennersdorfer Ex- Vetschau und Pfarrer in Missen. An
ulanten zunächst nicht aufnehmen
wollte, siedelte er sie und Glaubens- diesen Wirkungsstätten hatte es der
brüder aus Zittau auf Vermittlung pietistische Petermann nicht leicht.
In Gebhardsdorf gab es schon unter
von Liberda in Neu-Cölln und der seinem Vorgänger theologische Kon-
Friedrichstadt an. Obwohl in Berlin # ikte, die wegen der Einführung eines
insgesamt eine größere Toleranz als
in Sachsen herrschte, blieben auch neuen Gesangbuchs durch Peter-
hier Kon# ikte unvermeidlich. mann erneut au& rachen, bis sich die
Gemeinde sogar beschwerte. In Uhyst
wurde er als „Heuchler aus Halle“
dieser Zeit traten Kon# ikte zwischen di+ amiert und auch in Vetschau gab
verschiedenen protestantischen Strö- es Anfeindungen und Beschwerden
mungen hervor. Petermann wurde in beim Konsistorium in Lübben.
der Folge wiederholt in Streitigkeiten
zwischen Nikolaus Ludwig von Zin-
zendorf und Pottendorf sowie Fran-
cke verwickelt, bei denen es z. B. um
Eifersüchteleien im Zusammenhang
mit den Missionen in Amerika ging,
wo sowohl die Herrnhuter als auch
die Lutheraner in Halle die Führungs-
rolle beanspruchten.
Anfang 1738 ging Petermann als böh-
mischer Prediger nach Gebhardsdorf
(Giebułtów) am Queis zu Gottlob
Friedrich von Gersdor+ . Augustin
Schultze hatte ihm die Berufung
überbracht. Diese Entscheidung
durch den Standesherren statt durch
das Konsistorium sorgte für Unmut.
Vor allem fürchtete man aber eine
Hinwendung der hiesigen Exulanten Die Kirche in Uhyst/Spree wurde
zu den Brüdergemeinen Großhen- bis 1716 fertiggestellt, der Bau des
nersdorf und Herrnhut. Am 24. März Turms dauerte jedoch bis 1735,
1738 wurde Petermann in Leipzig or- also wenige Jahre vor Petermanns
diniert, kurz darauf trat er seine Stelle Amtsantritt.
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