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Substrate konnten damit sterilisiert   zur quantitativen Bestimmung der
        und Bakterienkulturen auch über     bakteriellen Belastung von Lu*  und
        lange Zeit reproduzierbar untersucht   Wasser, aber auch zu Infektionskrank-
        werden. Robert Koch zitierte in     heiten wie Typhus und Cholera als
        seiner berühmten und später seinen   bedeutsam. 1885 verfasste er gemein-
        Nobelpreis mitbegründenden Rede     sam mit seinem Bruder Richard,
        „Die Ätiologie der Tuberkulose“ von   inzwischen Kur- und Badearzt in
        1882 zur erstmaligen Identi% kation   Schweizermühle bzw. Rosenthal, die
        des Tuberkulosebakteriums gelierte   Schri*  „Über Züchtung der Bacillen
        und speziell präparierte Blutseren   des malignen Oedems“.
        als Nährböden und erwähnte Agar
        nur am Rande, die Hesses gar nicht.   1890 wurde Hesse als Bezirksarzt
        Agar-Agar erwies sich aber seitdem   nach Dresden-Strehlen berufen. Zu
        als so erfolgreich, dass es aus der   seinem Verantwortungsgebiet ge-
        Bakteriologie nicht mehr wegzuden-  hörten in den Folgejahren mehrere
        ken ist. Die Ideengeberin blieb lange   Amtsgerichtsbezirke bis /  arandt und
        unbekannt.                          Radeberg. Ihre Söhne schickten die
                                            Hesses auf das Vitzthum-Gymnasium
        Es ist das Hauptverdienst der Hesses,   (vgl. Artikel zu JT_KTX L=q~?>>).
        Agar in die bakteriologische Praxis   Hesse erwarb sich auch in Dresden
        eingeführt zu haben. Von seiner Frau   große Verdienste um die moder-
        unterstützt, setzte Walther Hesse die   ne Hygiene und hat weiter zu den
        Forschungen auf diesem Gebiet auch   Grundlagen der Bakteriologie beige-
        in den Folgejahren in Schwarzenberg   tragen. Er führte Desinfektionsver-
        fort. Dabei gelten v. a. seine Beiträge   fahren ein und förderte das Impfwe-
                                            sen. Seine Erfahrungen aus der Praxis
                                            publizierte er vielfach in angesehenen
                                            wissenscha* lichen Zeitschri* en und
                                            er hielt Vorträge vor der „Gesellscha*
                                            für Natur- und Heilkunde zu Dres-
                                            den“. Hesse blieb gegenüber Neuerun-
                                            gen stets aufgeschlossen und über-
                                            nahm rasch die Petrischale, um die
                                            Bakterien nicht in, sondern auf Agar
                                            zu ziehen. Besonders den Kindern
                                            und ihren Krankheiten galt seine Auf-
                                            merksamkeit. Er schrieb: „Unter den
                                            Krankheiten, die Leben und Gesund-
        Hesses Villa in Dresden-Strehlen,   heit der Säuglinge bedrohen, nehmen
        Julius-Otto-Straße 11.              die Erkrankungen des Verdauungsap-

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