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arbeitete Hesse von 1874 bis 1877 als
        praktischer Arzt in Zittau. Zusam-
        men mit seinem Vater, dem dortigen
        Bezirksarzt, bemühte er sich um die
        Scha+ ung gesunder Lernbedingungen
        für Schüler, z. B. durch systematisches
        Lü* en von Schulräumen. 1874 trat
        Hesse der Dresdner Freimaurer-Loge
        „Zum goldenen Apfel“ bei.

        Hesse hatte seine spätere Ehefrau,
        Angelina Eilshemius, 1872 in New
        York kennen gelernt, als er seinen
        Bruder Richard besuchte und dieser
        ihn in die Eilshemius-Familie ein-
        führte. Sein späterer Schwiegervater,
        Henry Gottfried Eilshemius, war ein
        wohlhabender Kaufmann holländi-
        scher Abstammung und 1842 von
        Emden in die USA eingewandert.
        Dessen Ehefrau, Cecile Elise (*1824)   Hesse arbeitete eng mit seiner Frau
        aus Lugano, war schweizerisch-      Fanny Angelina zusammen. Das Au-
        französischer Abstammung aus der    genmerk galt vorrangig den Infek-
        Familie des Malers Leopold Robert   tionskrankheiten. Rasch wachsende
        (vermutlich dessen Cousine, ande-   Bevölkerungszahlen in den Städten
        re Quellen sprechen von Tochter     und eine unzureichende Wasserver-
        und Vater). Im Alter von 15 Jahren   und Abwasserentsorgung waren im
        wurde Angelina auf eine Schule in die   19. Jahrhundert mitverantwortlich
        Schweiz geschickt. Als sie mit ihren   für die bedrohliche Zunahme von
        Eltern erneut Europa besuchte, kam   Infektionen. Die Hesses haben we-
        sie nicht nur in die Schweiz, sondern   sentliche Beiträge zum Verständnis
        auch nach Dresden, wo sie Walther   ihrer mikrobiologischen Grundla-
        wiedertraf. Die Hochzeit fand 1874 in   gen und mit Arbeiten zur Hygiene
        der Schweiz statt. Gleichzeitig heira-  zu ihrer Bekämpfung geleistet.
        tete ihre Schwester Cecilie Eugenie
        einen Ne+ en des schweizerisch-ame-  Mutter, sondern stand Walther z. B.
        rikanischen Zoologen und Paläon-    auch mit äußerst präzisen Zeichnun-
        tologen Louis Agassiz. Die künstle-  gen zur Seite. Neben Angelina wurde
        risch talentierte Angelina war in den   v. a. ihr Bruder Louis Eilshemius als
        Folgejahren nicht nur Hausfrau und   Maler bekannt. Mehrere Familienmit-

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