Page 168 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Anzeige des Verlags Friedrich Vieweg und Sohn in der Jenaer Literaturzei-
tung Nr. 34, 1879.
glieder waren zeitweise in Dresden schnittlich 650 beschä* igten Bergleu-
ansässig. Louis besuchte die Realschu- ten waren 150 an dieser Krankheit im
le, sein Bruder Fritz Emil studierte Zeitraum von 1869 bis 1877 gestor-
bis 1879 an der TH und ihr Vater war ben. Chronische Lungenerkrankun-
wie E|~T>| F@K=|@K`q Mitglied im gen bei Bergleuten kannte man schon
Dresdner Verein für Erdkunde unter seit dem späten 15. Jahrhundert, 1567
dem Vorsitz von Sophus Ruge. wurden sie erstmals von Paracelsus
beschrieben, der zunächst unter dem
Als Bezirksarzt in Schwarzenberg Begri+ „Bergsucht“ unterschiedli-
von 1877 bis 1890 war Hesse für che Krankheiten zusammenfasste.
83 Gemeinden verantwortlich. Um Im Schneeberger Revier erkrank-
seine Kenntnisse in der Arbeits- und ten sehr häu% g junge Bergleute, die
Umwelthygiene zu vertiefen, nahm nach wenigen Monaten oder Jahren
er sich 1878/79 einen Studienurlaub starben. Für dieses Krankheitsbild
bei Max von Pettenkofer in München. wurde der Begri+ „Schneeberger
Hesses Weiterentwicklung von Pet- Bergkrankheit“ geprägt. Mithilfe von
tenkofers Methode zur quantitativen Sektionen erkannten Hesse, selbst
Bestimmung des Kohlendioxidge- ausgebildeter Pathologe, und Härting
halts der Lu* fand später Aufnahme die Bergkrankheit als Lungenkrebs.
im Übersichtswerk „Gasanalytische Es war das erste Mal, dass eine innere
Methoden“ von W?_^q=@ H=~£=_. Krebserkrankung auf berufsbeding-
In Schwarzenberg lernte Hesse die te äußere Ein# üsse zurückgeführt
Schattenseiten des Bergbaus kennen. wurde. Aufgrund fehlender Kennt-
Er untersuchte mit dem Bergarzt nisse zur Radioaktivität nahm man
Friedrich Hugo Härting die „Schnee- damals an, dass Arsen die wesentliche
berger Bergkrankheit“. Bei durch- Krankheitsursache sei. Hesse war im
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