Page 169 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Rahmen der Zusammenarbeit mit
        Härting für die Untersuchung der Ar-
        beitsbedingungen in den Bergwerken
        zuständig. Während seiner Tätigkeit
        im Erzgebirge wandte er sich aktiv
        gegen die miserablen Arbeits- und
        Lebensbedingungen der einfachen
        Leute. Sein besonderes Augenmerk
        galt der Lu* qualität, insbesondere
        der Belastung mit Kohlendioxid und   Rote Blutkörperchen auf Agar-Agar,
        Staub. In den Steinkohlebergwerken   links mit Staphylokokken in& ziert,
        des Zwickauer Reviers analysierte   rechts mit Streptokokken. Blutagar
        Hesse die klimatischen Verhältnisse.   ist als Nährboden von Bedeutung
        Er unterbreitete Verbesserungsvor-  für die Diagnostik von Bakterien,
        schläge, um die damals noch zur     die rote Blutkörperchen durch Hä-
        Arbeit herangezogenen Kinder besser   molyse zersetzen, wie z. B. Mala-
        zu schützen.                        riaerreger. Quelle: National Cancer
                                            Institute der USA, Bill Branson, Wi-
        In seiner ärztlichen Berufspraxis war   kimedia Commons, Public Domain.
        bei Hesse die Überzeugung gewach-
        sen, dass Bakterien die Ursache vieler   licherweise schon bei Temperaturen
        Erkrankungen sein könnten. Bald     über 28° – viele Bakterienstämme be-
        wurde die Bakteriologie zu seinem   nötigen aber ca. 37° für ein optimales
        Arbeitsschwerpunkt. International   Wachstum. Außerdem können viele
        zählen Hesse und seine Ehefrau heute   Bakterien Gelatine verwerten. Hesse
        zu den Wegbereitern der modernen    informierte Koch über eine bahnbre-
        Mikrobiologie. 1881/82 nahm er sich   chende Idee seiner Ehefrau. Angelina
        während der Schwarzenberger Zeit    kannte für ihre Puddings und Gelees
        einen Forschungsurlaub am „Kaiser-  Rezepte, bei denen die für Gelatine
        lichen Gesundheitsamt“ bei Robert   bekannten Probleme nicht au* raten
        Koch. Die Einführung fester Nährbö-  – sie hatte sie noch in New York von
        den für Bakterienkulturen in Kochs   einem holländischen Immigranten
        Labor gilt als Geburtsstunde der mo-  aus Java erhalten. Das aus Meeralgen
        dernen Mikrobiologie. In Flüssigkul-  gewonnene Agar-Agar geliert nach
        turen lassen sich Bakterienarten nicht   einmaligem Au¤  ochen beim Ab-
        zuverlässig genug trennen. Die von   kühlen unter 44° und wird auch bei
        Koch zunächst als Nährbodenverfes-  erneuter Erwärmung nicht wieder
        tiger verwendete Gelatine wies jedoch  # üssig. Zudem sind die meisten Bak-
        prinzipielle Nachteile auf: Nährböden   terien nicht in der Lage, die Polysac-
        auf Gelatinebasis ver# üssigen sich üb-  charide des Agar zu verwerten. Die

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