Page 142 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 142

Gervinus bis 1850 als Redakteur bei   tung“. 1859 bearbeitete er ein melo-
        der „Deutschen Zeitung“. Robert Hel-  dramatisches Festspiel nach Ludwig
        ler war der Autor der zunächst ano-  van Beethoven, op. 114, „Die Ruinen
        nym erschienenen „Brustbilder aus   von Athen“, für den „Philharmoni-
        der Paulskirche“. Dieses Werk wurde   schen Verein Hamburg“ (abgedruckt
        vom Publikum mit großem Inte resse   im „Ersten poetischen Beethoven-
        aufgenommen und stellt heute ein    Album“ von Hermann Josef Landau,
        bedeutendes Zeitdokument dar. Es    Prag 1872). 1860 beurteilte Heller als
        enthält biogra% sche Umrisse der Mit-  erster Kritiker wohlwollend Johan-
        glieder der deutschen konstituieren-  nes Brahms in dessen Heimatstadt
        den Nationalversammlung. Das Buch   Hamburg. Bekannt geworden ist er
        schließt mit den Worten: „Der große   in dieser Zeit aber auch wegen sehr
        einige Gott verleihe uns seinen Segen   harscher Kritiken, beispielsweise an
        zu einem einigen Vaterlande.“ Aus   den Schauspielern Emil Devrient und
        der Sicht Hellers und seiner liberalen   Bogumil Dawison. 1861 wurde Heller
        Gesinnungsgenossen war damit die    nach einer solchen Kritik von Dawi-
        Einführung einer konstitutionellen   son beleidigt, den er darau—  in zum
        Monarchie gemeint. Mit der fehlge-  Duell forderte, worauf sich Dawison
        schlagenen Revolution verschwanden   aber nicht einließ. Diese Vorkomm-
        auch viele der politisch-literarischen   nisse belasteten das Verhältnis zu Karl
        Magazine, für die Heller so lange   Gutzkow, der ehemals ebenfalls zum
        erfolgreich gearbeitet hatte.       Umfeld von Heinrich Laube gehört
                                            hatte und mit beiden Schauspielern
        Nach einer Reise in die Schweiz und   befreundet war. Heller fand in Ham-
        das Rhein- und Moseltal sowie einer   burg guten Kontakt zur Bürgerscha* ,
        kurzen Zwischenstation in Berlin als   war wegen seines Esprits ein gern
        Kammerreferent bei der „Constitutio-  gesehener Gesellscha* er und mit
        nellen Club-Zeitung“ wechselte Heller  den niederdeutschen Dichtern und
        1851 nach Hamburg. Er arbeitete für   Schri* stellern Fritz Reuter und Klaus
        die „Hamburger Nachrichten“ und     Groth freundscha* lich verbunden.
        galt als der führende Literatur-, /  ea-  Sein Anliegen, Reuter ins Hochdeut-
        ter- und Musikkritiker der Stadt, sein   sche zu übersetzen, lehnte der Autor
        Urteil als „letztes Wort“. Zu Hellers   1862 jedoch ab. 1865 wurde Heller für
        weniger bekannten Projekten jener   seine Verdienste um die „Deutsche
        Zeit zählt ein Almanach mit Georg   Schiller-Sti* ung“ mit dem Ritterkreuz
        Gottfried Gervinus, Carl Welcker u. a.  1. Klasse des weimarischen Falkenor-
        über „alle weisen Herrscher der Welt“  dens ausgezeichnet.
        (1854). Heller gehörte 1855 zu den
        Gründern des Hamburger Zweig-       Heller gehörte zu den beliebtesten
        vereins der „Deutschen Schiller-Stif-  Romanschri* stellern des 19. Jahrhun-

        142
   137   138   139   140   141   142   143   144   145   146   147