Page 141 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 141

rika publizierte. 1845 übergab Heller   lin berufen wurden, nicht aber der
        seine Zeitschri*  an George Hesekiel.   befreundete Albert Lortzing, begrün-
        In dem von ihm 1842 gegründeten     dete dies Heller mit einer in Mode
        Almanach „Perlen“, der von Reclam   gekommenen Bevorzugung von Juden
        in Leipzig und später der Friedrich   in der Kunst.
        Korn‘schen Buchhandlung Nürnberg
        verlegt wurde, publizierte Heller vor-  Heller war Mitglied der „Deutschen
        rangig eigene Novellen. Hier erschie-  Gesellscha*  zur Erforschung Vater-
        nen auch Werke, die sich vermutlich   ländischer Sprache und Altertümer
        auf seinen Erlebnissen in Kindheit   in Leipzig“. Schon in Leipzig rühmte
        und Jugend gründeten, so 1845 „Un-  man seine exzellenten Kontakte in
        ter Bauern“ und 1847 „Die Erbtochter   der Kulturszene. Viele seiner Kollegen
        von Lauterbach“. Heller leitete die   besuchten ihn und schlossen dabei
        „Perlen“ bis 1848, danach übernahm   wiederum neue Bekanntscha* en. Er
        Ludwig Bechstein. Ab 1846 gab Heller  engagierte sich 1842 für die in Leipzig
        die „Illustrierte Jugendzeitung“ bei   erschienenen „Leipziger Tage und
        Brockhaus & Avenarius heraus. Nach-  Nächte“ des in Not geratenen Gus-
        dem er sich erfolgreich einen Namen   tav /  eodor Drobisch und hatte mit
        als Belletrist erworben hatte, wagte   seiner ersten Frau Kontakt zu dem
        Heller 1845 den Versuch, ein Stück   in jenem Jahr nach Leipzig gekom-
        auf die /  eaterbühne zu bringen.   menen Eduard Maria Oettinger.
        „Der letzte Wille“ erwies sich aber als   Heller galt als Lebemann, vor allem
        großer Misserfolg, wobei das Pfeif-  dem Essen und Trinken zugeneigt,
        konzert von Gegnern schon vorher    der sehr gerne ganze Gesellscha* en
        verabredet worden war. Allerdings   geistreich unterhielt, wie sich Otto
        gab Heller auch selbst zu, dass sein   von Corvin erinnerte. Er trennte sich
        Werk technisch nicht den Anforde-   von seiner Frau, weil sie ihm untreu
        rungen eines Bühnenstücks entspro-  war. Statt ihr die juristische Schuld
        chen hatte, sondern eher romanha*    am Zerbrechen der Ehe zuzuweisen,
        aufgebaut war.                      was für sie erhebliche Folgen gehabt
                                            hätte, verließ er sie und nahm dafür
        Hellers Patriotismus trug teilweise na-  vier Wochen Gefängnis in Kauf, als
        tionalistische Züge. Um 1848 gehörte   sie ihn verklagte.
        er in Leipzig zu den Mitbegründern
        eines antislawischen Vereins, der das   Im Zusammenhang mit der Deut-
        „deutsche Element“ in Polen, Böh-   schen Revolution 1848/49 folgte
        men und Mähren stärken wollte, und   Heller als Berichterstatter aus der
        er teilte auch antijüdische Vorurteile.   Paulskirche dem Abgeordneten Laube
        Als Giacomo Meyerbeer und Felix     nach Frankfurt. Er arbeitete dort in
        Mendelssohn Bartholdy nach Ber-     der Nachfolge von Georg Gottfried

                                                                           141
   136   137   138   139   140   141   142   143   144   145   146