Page 133 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Mit der Aussöhnung von Kaisertum    Während eines Aufenthalts in seinem
        und Papst 1122 im Wormser Konkor-   Kloster in Halle % ng das Stroh von
        dat erledigte sich ein lang anhaltender  Wiprechts Lager Feuer. Er trat es mit
        Loyalitätskon# ikt für Wiprecht. Seine   bloßen Füßen aus, verletzte sich aber
        Tochter Bertha war mit einem Bruder   so schwer, dass er kurz danach an den
        von Konrad dem Großen verheira-     Folgen im Kloster Pegau verstarb. Die
        tet. Auch Wiprechts zweite Ehefrau   unrechtmäßige Aneignung der Mark
        entstammte dem Hause Wettin. Die    Meißen durch Konrad den Großen
        verwandtscha* lichen Bindungen      wurde 1127 durch den inzwischen
        führten zu Erbfolgestreitigkeiten mit   zum König gekrönten Lothar endgül-
        den Wettinern. Als Markgraf Hein-   tig anerkannt, die Niederlausitz konn-
        rich II. 1123 starb, verlieh Kaiser   te erst Wiprechts Sohn Heinrich 1131
        Heinrich V. Wiprecht die Markgraf-  von Albrecht zurückerlangen. Konrad
        scha*  Meißen und erneut die Nie-   wurde so zum Stammvater des sächsi-
        derlausitz. Konrad der Große, ein   schen Kurfürsten- und Königshauses.
        Cousin Heinrich II., der schon dessen   Nach dem Tod des kinderlosen Hein-
        Rechtmäßigkeit angezweifelt und sich   rich kamen Wiprechts Besitzungen
        selbst als legitimen Nachfolger von   zumeist an die Wettiner. Sie vollende-
        Heinrich I. angesehen hatte, besetzte   ten, was Wiprecht von Groitzsch von
        die Mark Meißen, bevor Wiprecht     /  üringen bis zur Oberlausitz begon-
        sein Amt antreten konnte. Für Kon-  nen hatte, und schufen ein großes,
        rad ergri+  Stammherzog Lothar von   einheitliches Herrscha* sgebiet.
        Sachsen Partei. Einerseits war er mit
        diesem verschwägert und es lag damit   Quellen: Meyers Großes Konversations-
        in Lothars eigenem Interesse, ein   Lexikon, Bd. 20, Leipzig 1909, S. 681–682;
        Erbrecht der Wettiner durchzusetzen.   Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Bd. 4,
        Außerdem entzündete sich bei dieser   Leipzig 1841, S. 741; Ernst Bernheim: „Groitsch,
                                            Wiprecht von, der Aeltere“. Allgemeine Deut-
        Gelegenheit erneut der Streit mit   sche Biographie, Bd. 9, 1879, S. 711–713; Ro-
        Kaiser Heinrich V., zu dessen wich-  land Paeßler: „Die Erbrichter in der Umgebung
        tigsten Opponenten er gehörte. Im   von Bischofswerda“. In: Mathias Hüsni (Hrsg.):
        Bunde mit Albrecht von Ballenstädt   Schiebocker Landstreicher, H. 3, Burkau 2008,
                                            S. 8–16; www.genealogie-mittelalter.de; T. Fla-
        („der Bär“) vertrieben sie Wiprecht,   the: „Wiprecht von Groitzsch“. In: Archiv für die
        ohne dass die vom Kaiser zu dessen   sächsische Geschichte, Bd. 3, H. 1, Leipzig 1864,
        Schutz aufgebotenen Herzöge Vladis-  S. 82–127; www.genealogie-93-generationen.eu;
                                            Alexander Dinter: „Wer war eigentlich Wiprecht
        lav I. von Böhmen, ein Sohn Vratis-  von Groitzsch?“, 2011; www.bautzenweb.de;
        lavs, und Otto von Mähren ernstha*    Johann Gottfried /  eodor Sintenis: „Die Ober-
        in den Kampf eingegri+ en hätten.   lausitz: ein belehrendes und unterhaltendes Le-
        Wiprecht zog sich in seinen letzten   sebuch“. 1812; Joachim Bahlcke: „Geschichte der
        Jahren aus der Politik zurück und   Oberlausitz: Herrscha* , Gesellscha*  und Kultur
                                            vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhun-
        widmete sich verstärkt der Religion.   derts“. Leipziger Universitätsverlag, 2001

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