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Der Dresdner Hauptbahnhof wurde in einem Stilgemisch aus Neorenais-
sance und Neobarock mit einem Tragwerk aus Stahl für das Glasdach
errichtet. Er bildet einen Verkehrsknoten für Züge in alle Richtungen.
wegen der Schranken an den ebener- Giese war 1878 unter dem Rektor
digen Gleisanlagen des Böhmischen Gustav Anton Zeuner als Profes-
Bahnhofs begegnet werden. Das Emp- sor an das Polytechnikum berufen
fangsgebäude von Giese & Weidner worden. Nach der Abtrennung der
entstand nach dem Vorbild des Gare Baugewerkenschule im Jahre 1873
du Nord in Paris und wurde von einer wurde hier eine eigenständige Ar-
Kuppel gekrönt. chitekturausbildung neben jener an
der Kunstakademie aufgebaut. Die
Als Vorsitzender des Dresdner Archi- 1875 gegründete Hochbauabteilung
tektenvereins gehörte Giese zu den ging auf Bemühungen der Rektoren
Opponenten von Constantin Lipsius, Julius Ambrosius Hülße (bis 1873)
ebenfalls ein ehemaliger Nicolai- und Gustav Anton Zeuner sowie der
Schüler, und seines Neubaus der ehemaligen Nicolai-Schüler Ru dolph
Kunstakademie an der Brühlschen Heyn und Carl Weißbach zurück,
Terrasse bis 1894. Einige Jahre zuvor die der Hochbauabteilung in der
in Leipzig hatte Lipsius zusammen Folgezeit vorstanden. Hier wirkten
mit August Hartel beim Bau der St. seinerzeit mehrere ehemalige Schüler
Petri-Kirche den Vorzug erhalten, ob- von Johann Andreas Schubert, so
wohl Gieses Entwurf im Wettbewerb auch Giese. Er vertrat in den fol-
siegreich geblieben war. genden mehr als 20 Jahren das Fach
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