Page 104 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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für neue Kirchenbauten vorgab. Die
        Gemeinde der Dresdner Neustadt war
        seinerzeit auf über 50000 Mitglieder
        angewachsen und benötigte ein eige-
        nes Kirchengebäude. Es sollte über
        1200 Gläubigen Platz bieten. Giese &
        Weidner belegten beim Wettbewerb
        nur den 2. Platz hinter Tony Eul aus
        Belgien, erhielten aber trotzdem den
        Zuschlag. Die Kirche entstand als
        gotische Basilika mit neoromanischen
        Ergänzungen, wobei auch Elemente
        von Eul ein# ossen. Der Bau wurde
        pünktlich zum 404. Geburtstag von
        Luther fertig, hatte aber das Doppelte
        der veranschlagten Summe gekostet.

        Ab 1891 führte Giese ein gemeinsa-
        mes Büro mit seinem Sohn. Mit dem
        Bildhauer Johannes Schilling schuf
        er 1892 das Denkmal für Gottfried   Bei Sempers Denkmal auf der
        Semper auf der Brühlschen Terrasse.   Brühlschen Terrasse vor der Kunst-
        Bis 1898 stellten Giese & Sohn den   akademie und der Frauenkirche ar-
        Hauptbahnhof Dresden fertig. Der    beitete Giese mit Johannes Schilling
        Entwurf – um Elemente von Arwed     zusammen. Giese war wie Schilling
        Rossbach ergänzt – stammte noch aus   ein Verehrer Sempers und gehörte
        der Zeit mit Weidner. Dieser Bau war   dem Komitee der Gottfried-Semper-
        ein wesentlicher Bestandteil der Neu-  Sti+ ung an, die jungen Architekten
        organisation des Schienenverkehrs in   Reisen nach Italien & nanzierte.
        Dresden. Die Einwohnerzahl und das   Gieses Entwurf für den Unterbau
        Verkehrsau¤  ommen waren seit der   wurde von Kessel & Röhl in Berlin
        Erö+ nung des ehemaligen Böhmi-     aus poliertem schwedischen Gra-
        schen Bahnhofs im Jahre 1848 stark   nit realisiert, die bronzene Statue
        angestiegen. Claus Koepcke und Otto   wurde in Lauchhammer gegossen.
        Klette entwickelten das funktionale   Das Denkmal blieb während der
        Grundkonzept des neuen Bahnhofs     Zerstörung Dresdens 1945 erhal-
        mit einer großen, tiefergelegten Kopf-  ten. Verschiedentlich wird für den
        bahnhalle und zwei höhergelegten    Sockel der Architekt Constantin
        Durchgangshallen. Damit sollte dem   Lipsius angegeben, der die Einwei-
        täglichen Verkehrschaos in der Stadt   hungsrede hielt.

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