Bernhard von Kamenz (um 1230 - 1296)

1268 holte Withego I., Bischof von Meißen, Bernhard von Kamenz als Dekan an das Hochstift Meißen. 1276 wurde Bernhard Propst. Er entstammte dem Geschlecht von Vesta, in deren Besitz sich die Herrschaft Kamenz befand. 1248 hatte Bernhard mit seinen Brüdern und ihrer Mutter das Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau gestiftet. Als Kanoniker in Meißen musste er auch privat mit den Askaniern als damalige weltliche Landesherren der Oberlausitz Verträge bezüglich des Klosters aushandeln. Ab 1279 lebte Bernhard, obwohl weiterhin Propst in Meißen, vorrangig in Breslau. Als Kanzler des dortigen Herzogs Heinrich IV. war er beteiligt, als jener seinen Machtbereich bis Krakau ausdehnte. Dabei geriet Bernhard in Konflikt mit dem Breslauer Bischof und wurde sogar gebannt. Nach dem Tod Heinrich IV. wandte sich Bernhard 1290 an den Hof des jungen Königs Wenzel II. von Böhmen. Der war unter dem Einfluss der Askanier aufgewachsen und strebte nach einem größeren Einfluss in Polen und der Mark Meißen. Selbst geistlicher Würdenträger im Stift Meißen, unterstützte Bernhard die Böhmen bei ihren Expansionsbestrebungen. Als Nachfolger von Withego I. ab 1293 fand er ein schwieriges finanzielles Erbe vor. Kostpielige Bauten wie der Meißner Dom, territoriale Erweiterungen und fortgesetzte Konflikte hatten schließlich die Möglichkeiten des Bistums erschöpft. Bischof Bernhard blieb aufgrund seines frühzeitigen Todes nur drei Jahre im Amt. Er war weiterhin der Außenpolitik Böhmens verpflichtet und verkaufte das von Withego I. erworbene Pirna an Wenzel II.

Aktuell

Denkmal in Bautzen für Kurfürst Johann Georg I., unter dem die Oberlausitz im 17. Jahrhundert von Böhmen zu Sachsen kam

Johann Georg I.

Oberlausitzer Wurzeln der böhmischen Gemeinde in Berlin

1729 begann der preußische König Friedrich Wilhelm I., in der Friedrichstadt protestantische Böhmen anzusiedeln. Ein großer Teil der seit etwa 1717 in Großhennersdorf untergekommenen und ursprünglich aus den Landkreisen Leitomischl und Landskron an der Grenze zu Mähren stammenden Flüchtlinge, etwa 500 Personen, wollte 1732 ebenfalls nach Berlin. Sie verließen ihre zwischenzeitliche Oberlausitzer Heimat aus Unzufriedenheit über die materiellen und rechtlichen Verhältnisse, aber auch aus liturgischer Opposition. Ihr Katechet Johann Liberda reichte ihnen zwar beim Abendmahl nach Tradition der Brüder-Unität Brot statt Oblaten, doch der Druck, sich der in Sachsen vorherrschenden lutherischen Kirche anzupassen, blieb groß. Liberda war ein Anhänger von August Hermann Francke in Halle, welcher die Fluchtbewegung aus Böhmen förderte und dafür Großhennersdorf als Stützpunkt auserkoren hatte. Die Herrin auf Großhennersdorf, Henriette Sophie von Gersdorff, stand zwar dem Pietismus nahe, im Unterschied zum benachbarten Herrnhuter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf wollte sie aber an der Leibeigenschaft nicht rütteln und so kam es zum Bruch mit ihren Böhmen. Nachdem der preußische König die Großhennersdorfer Exulanten zunächst nicht aufnehmen wollte, siedelte er sie und Glaubensbrüder aus Zittau auf Vermittlung von Liberda in Neu-Cölln und der Friedrichstadt an. Von 1734 bis 1738 war Georg Petermann Lehrer und zeitweise Prediger der böhmischen Exulantengemeinde in Berlin.