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Derlitzki, Dorothea


        Dr. phil., Arbeitswissenscha* lerin in Pommritz
        02.10.1888 Niewerle – 15.10.1967

        V: Wilhelm Ebert, Pfarrer in Niewerle; M: Luise geb. Gose; E: Georg Derlitzki (*30.4.1889
        Bergfriede/Ostpreußen, †2.5.1958 Kindisch, Professor, Begründer der Landarbeitsforschung in
        Pommritz); K: Jürgen (18.7.1916–12.5.1942), Rotraut (*7.6.1918, Dipl.-Landwirtin)

        Dorothea Ebert besuchte von 1894    Konzept 1926 in „Arbeitsersparnis-
        bis 1899 die Höhere Mädchenschule   se im Landhaushalt“. Die Derlitzkis
        in Luckenwalde, bis 1900 die Höhere   wollten Misstrauen der Bäuerinnen
        Mädchenschule in Stendal und bis    gegenüber neuen Arbeitsmethoden
        1904 die Höheren Mädchenschulen II   abbauen, machten die „Pommritzer
        und I in Hannover. 1908 schloss sie in  Wanderkurse“ populär und trugen
        Hannover das Lehrerinnen-Seminar    so dazu bei, die traditionelle Überbe-
        mit einem Examen für mittlere und   lastung der Bauersfrauen zu über-
        höhere Mädchenschulen ab. 1909      winden. Dorothea Derlitzki stellte
        bestand sie am Realgymnasium        die körperliche und psychologische
        Kassel das Abitur. Von 1909 bis 1910   Überforderung der Landfrauen als
        studierte Ebert Deutsch, Geschich-  Krise dar, für welche die Weimarer
        te und Französisch in Marburg, bis   Staatsregierung schnellstens Abhilfe
        1911 in Berlin und danach wieder in   zu scha+ en hätte, weil auch davon
        Marburg. Am 27. Mai 1914 bestand    das Wohlergehen ganz Deutschlands
        sie das Doktorexamen. Danach hielt   abhängen würde. Nach der Kündi-
        sie sich in Frankfurt/Main auf. Ihre   gung ihres Mannes durch die Nazis
        Promotion „Die Sprache des Trie-    bewirtscha* eten die Derlitzkis ab
        rer Psalters“ verteidigte sie 1915 in   1934 einen Bauernhof in Kindisch.
        Marburg. Betreut wurde diese Arbeit   Nach dem Tod ihres Mannes führte
        von Friedrich Vogt und Edmund       Dorothea Derlitzki mit ihrer Tochter
        Ernst Stengel. 1919 kam sie mit ihrem   den Hof bis 1960 weiter.
        Ehemann, G=]@[ D=@_K^™‚K, von
        Gießen nach Pommritz, als dieser    Quellen: Dorothea Ebert: „Die Sprache des
        zum Leiter der dortigen Versuchs-   Trierer Psalters“. Dissertation, Marburg 1915;
                                            Rotraut Derlitzki, Eberhard Schulze: „Georg
        anstalt berufen wurde. Zusammen     Max Ludwig Derlitzki (1889–1958)“. IAMO,
        richteten sie 1926 eine eigenständige   Discussion Paper No. 58, 2004; Elizabeth
        hauswirtscha* liche Abteilung zur   Bright Jones: „Landwirtscha* liche Arbeit und
        Rationalisierung der Arbeit der Land-  weibliche Körper in Deutschland, 1918–1933“.
        frauen in Hof, Haus, Stall und Garten   34. Kongress der Deutschen Gesellscha*  für
                                            Volkskunde, Berlin, 2003; Christa Ladusch:
        ein. Dorothea Derlitzki beschrieb das   Hochkircher Kulturnachrichten, August 2001

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