Page 79 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 79

Friedrich, Edmund


        Dr. med., Balneologe
        15.04.1826 Bischofswerda – 11.02.1912 Dresden

        V: Paul Karl Gottlieb (*1770 Schneeberg, †9.11.1830 Wendishain), Sohn eines Kürschnermeis-
        ters, /  eologiestudium in Leipzig, 1806 Diakon in Finsterwalde, 1814 Dissertation „Symbolae
        philologico-criticae ad interpretationem Psalmi centesimi decimi“ in Leipzig, 1816 Archidia-
        kon in Bischofswerda und Prediger in Goldbach, auf einer Glocke der Bischofswerdaer Kirche
        verewigt, 1828 „Andeutungen und Materialien zu Trau- und Leichenreden für Prediger auf dem
        Lande“ (3 Bände), 1830 Pfarrer in Wendishain; M: Amalia Charlotte geb. Herrfarth (*1790/err.
        Dresden, †19.6.1826 Bischofswerda), ? Tochter des Dresdner Kopisten Gottlob Samuel Herr-
        farth, dritte Ehe ihres Mannes, ? jene „Madame Friedrich“, die 1818 zur Kirchweihe in Bischofs-
        werda unter Francesco Morlacchi gesungen hat; G: 2 ältere, nach 1810 in Finsterwalde geboren,
        darunter Carl (*1815 Finsterwalde, †1873 Dresden, Fürstenschule Grimma, Jurastudium Leipzig,
        hoher Zollbeamter in Bad Schandau, Leipzig, Braunschweig, Frankfurt/M., Dresden), mögli-
        cherweise 1 Halbgeschwister aus einer früheren Ehe des Vaters mit Wilhelmine geb. Teichler
        (Tochter des Kirchhainer Pfarrers Gabriel Teichler, † um 1808)

        Friedrich verlor früh seine Eltern.   Von 1852 bis 1855 arbeitete Friedrich
        Verwandte, vermutlich der Stadt-    als Hilfsarzt an der Kinderheilanstalt
        gerichtsrat Carl Eduard Herr farth,   in Dresden, danach ließ er sich mit ei-
        nahmen ihn in Dresden auf, wo er    ner eigenen Praxis nieder. 1854 stellte
        ab 1836 die Kreuzschule besuchte.   er die von Otto Kohlschütter, Grün-
        1845 begann er, wie schon zuvor sein   der der Dresdner Kinderheilanstalt,
        Bruder Carl, in Leipzig Jura zu studie-  begonnene deutsche Fassung „Prak-
        ren, wahrscheinlich auf Empfehlung   tisches Handbuch über die Krankhei-
        ihres P# egevaters. Friedrich wechselte  ten des weiblichen Geschlechts“ aus
        aber bereits nach einem halben Jahr   dem Englischen nach Samuel Ashwell
        zur Medizin. Sein Professor, Johann   fertig. In seiner Schri*  „Der Abdomi-
        von Oppolzer, war ein Verfechter    naltyphus der Kinder“ fasste Friedrich
        einer ganzheitlichen /  erapie und   die Krankheitsbilder von 275 Typhus-
        zählte zu den Begründern der wissen-  Patienten der Kinderheilanstalt aus 21
        scha* lichen Balneologie. Nach einem   Jahren seit ihrer Gründung zusam-
        Aufenthalt in Heidelberg bei Karl von   men. Emil Noeggerath lobte diese Ar-
        Pfeufer, einem Professor für Arznei-  beit im New York Journal of Medicine
        mittellehre, promovierte Friedrich   als „excellent in every respect“. Von
        1850 in Leipzig mit „De pleuritide“.   1855 bis 1887 beteiligte sich Friedrich
        Anschließend unternahm er Studien-  an den von Carl Christian Schmidt
        reisen nach Prag zu dem Internisten   gegründeten „Jahrbüchern der ge-
        Anton von Jaksch und nach Wien,     sammten Medizin“.
        wohin Oppolzer berufen worden war.

                                                                            79
   74   75   76   77   78   79   80   81   82   83   84