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Edmund Friedrich war ein Verfechter   Pathologie und /  erapie der Lungen-
        des Turnens, dem er nicht nur eine   tuberkulose“ und „Die Paracentese
        gesundheitliche, sondern auch eine   des Unterleibs bei Darmperforation
        ethische und nationale Bedeutung    im Abdominaltyphus“.
        beimaß. Er studierte in Schweden und
        Norwegen die Praxis der Heilgymnas-  1861 hatte Friedrich in Dresden u.
        tik und beschrieb seine Erfahrungen   a. mit Friedrich von Boetticher und
        in „Die Heilgymnastik in Schweden   Karl Gutzkow dem Vorstand eines
        und Norwegen nach eigener An-       Komitees für den Au&  au deutscher
        schauung für Aerzte und Turnlehrer“   Seestreitkrä* e angehört. Während
        (1855). Aus der Sicht eines deutsch-  der Kriege 1866 und 1870/71 diente
        nationalen Turners fand er einige   er als Arzt bzw. Oberarzt in Dresd-
        Kritikpunkte. Zum Turnen publizierte  ner Kriegslazaretten. 1871 leitete er
        Friedrich auch in der Tagespresse,   den Sanitätszug des 12. Armeekorps.
        und er war von 1855 bis 1871 Mithe-  Friedrich schrieb: „Die Deutschen
        rausgeber der „Neuen Jahrbücher für   Sanitätszüge im Feldzuge gegen
        die Turnkunst“.                     Frankreich“ (1871/72, Gesellscha*  für
                                            Natur- und Heilkunde Dresden).
        Mit seinem Buch „Gesundheitsp# ege
        für das Volk“ gewann Friedrich einen   Das Reisen war Friedrichs Leiden-
        1862 in Breslau ausgelobten Preis-  scha* . Er besuchte Russland, Belgien,
        wettbewerb zum /  ema „Rathschläge   England, Holland, Frankreich, die
        an das Volk zur Erhaltung der Ge-   Schweiz und Italien. Seinen Lebens-
        sundheit“. Die Wettbewerbsbeiträge   unterhalt bestritt er dabei teilweise
        sollten allgemeinverständlich sein „in   als Reisearzt. Besonders die See
        Fürsorge namentlich derjeniger seiner  hatte es ihm angetan. Die Ergebnisse
        Mitmenschen, welche ausschließlich   seiner balneologischen und klima-
        sich durch Arbeit das tägliche Brod   tologischen Studien verö+ entlichte
        erwerben müssen.“ Ausführlich be-   Friedrich in zahlreichen Aufsätzen
        handelte Friedrich auf insgesamt 248   und Monographien. Albert Eulenburg
        Seiten Ernährung, Lu* , Arbeit, Sexu-  berief ihn als Mitarbeiter für Balneo-
        alkunde und Krankheitsp# ege, wobei   logie an der „Real-Encyklopädie der
        er als einer der Ersten darlegte, dass   gesamten Heilkunde“ (nach 1880).
        Nahrungsmittel besser als Lebensmit-  Friedrich schrieb: „Herbstaufenthalt
        tel zu bezeichnen seien. Der Patholo-  und Überwinterung Kranker auf den
        ge Hermann Lebert hielt das Referat.   Deutschen Nordseeinseln“, „Über
        Friedrich schrieb zudem 1867 die    Seelu* kuren bei Asthma und in den
        „Uebersicht der wichtigeren Beiträge   Anfängen der Phthise“ (1886, Ge-
        in der englischen und amerikanischen  sellscha*  für Natur- und Heilkunde
        Literatur der Jahre 1855 bis 63 zur   Dresden), „Die deutschen Insel- und

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