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Landarbeitslehre einschließlich des verschiedenen Heubergungsverfahren
landwirtscha* lichen Maschinenwe- und erstmals in der Landwirtscha*
sens. Es ging dabei um die Scha+ ung arbeitsphysiologische Studien mit
günstiger Arbeitsbedingungen durch Hilfe von Respirationsapparaten.
Mechanisierung und Organisation Ausgangspunkt der Überlegungen
und um Untersuchungen zur Arbeits- war, dass schlechte Arbeitsorganisa-
ausführung (Arbeitstechniken und tion und -hygiene verantwortlich für
-motivation). Die Versuchsanstalt in körperliche Überforderung seien, z.
Pommritz war die erste Einrichtung B. durch anhaltendes Arbeiten im
der Welt mit einem solchen Pro% l. Stehen. Derlitzki führte deswegen den
„Pommritzer Karto+ elauslesetisch“
Die Entwicklung der Landarbeitsleh- ein, der die Arbeit im Sitzen ermög-
re zu einer selbstständigen Disziplin lichte. Die Arbeit Derlitzkis war
ist das große, bleibende Verdienst international anerkannt. Er fungierte
Derlitzkis. Sein Ziel bestand in der ab 1927 als wissenscha* licher Beirat
Gesundung der Landwirtscha* durch und Vorsitzender des Ausschusses für
Senkung der Gestehungskosten pro Landarbeitsforschung des Interna-
Produktionseinheit bei voller Berück- tionalen Agrarinstituts in Rom und
sichtigung der Arbeitsqualität. Er pro- übernahm 1932 die Leitung eines Re-
pagierte zwar eine Rationalisierung ferates in der Sektion für Arbeitshy-
nach den Lehren des „Taylorismus“, giene des Völkerbundes. Unter seiner
wies aber stets auf Besonderheiten der Leitung besaß die Versuchsanstalt
Landwirtscha* gegenüber der Groß- Pommritz Weltgeltung. Studiengäste
industrie hin. Derlitzki sah Mecha- kamen, um im Ausland Einrichtun-
nisierung immer auch als Schutz der gen nach dem Pommritzer Vorbild
Menschen vor Überanstrengung und aufzubauen. Um die internationa-
gesundheitlichen Schädigungen an. le Bekanntheit zu erhöhen, nutzte
Das 1922 erstmals erprobte, arbeits- Derlitzki u. a. auch das neue Medi-
sparende Ernteverfahren für Zucker- um Film. Gleichzeitig verlor er aber
rüben – das „Pommritzen“ – ist noch nie die Arbeit in Pommritz aus den
heute Grundlage der Rüben-Vollern- Augen. Bis 1928 wurde die Versuchs-
temaschine. Weitere bekannte Ver- anstalt erheblich erweitert. Neben
fahrensentwicklungen unter seiner dem gepachteten Rittergut Drehsa
Leitung betrafen die „Rübensamen- (352 ha) kam auch ein 30 ha großes
mühle“ (zur Trennung der Samen), Versuchsgut in Steindörfel (nach Der-
den „Pommritzer Walzenwagen“ für litzki „Georgenhof“ genannt) hinzu,
einen e zienten Felddrusch und den wo neue Technologien demonstriert
„Pommritzer Bauernkran“ (zur Hand- werden konnten. In Sornßig wurden
habung der Dungkarre). Darüber zudem seit 1926 Waldbauversuche
hinaus erfolgten Untersuchungen zu durchgeführt. Seine Arbeitsergebnis-
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